Ein sauber gedrucktes Motiv allein reicht nicht aus, um die technische Güte eines Druckprodukts zu beurteilen. Bei Broschüren, Geschäftsdrucksachen, Verpackungen oder Werbemitteln treffen Druckdaten, Papier, Farbe und mehrere Verarbeitungsschritte aufeinander. Abweichungen können deshalb schon vor dem eigentlichen Druck entstehen und erst beim Schneiden, Falzen und Binden sichtbar werden. Bei anspruchsvollen Printproduktionen müssen deshalb bereits vor Produktionsbeginn die technischen Anforderungen der einzelnen Arbeitsschritte feststehen.
Kurzfassung
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Fehler können bereits in der Druckdatei entstehen
Vor dem Maschinenlauf müssen die gelieferten Daten technisch druckfähig sein. Bilder mit zu geringer Auflösung können im fertigen Produkt unscharf oder pixelig erscheinen. Fehlende Schriften, ungeeignete Dateiformate oder falsch angelegte Seitengrößen verursachen weitere Abweichungen.
Bis zum Seitenrand reichende Bilder und Farbflächen benötigen einen Beschnitt. Ein Motiv wird dafür etwas über das spätere Endformat hinaus angelegt. Beim Zuschneiden verhindert dieser zusätzliche Bereich, dass durch geringe Schneidetoleranzen unerwünschte weiße Kanten entstehen.
Auch die Position wichtiger Inhalte ist zu beachten. Texte, Logos und andere Elemente sollten nicht unmittelbar an der Schnittkante liegen. Bei Broschüren und gebundenen Produkten kommen weitere Abstände hinzu, weil Bereiche nahe der Bindung später schlechter sichtbar sein können.
Farbdaten und Druckfarbe sind nicht dasselbe
Bildschirme stellen Farben im RGB-Farbraum durch rotes, grünes und blaues Licht dar. Im Vierfarbdruck entstehen Farbtöne dagegen durch Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz. Identische Darstellungen auf Monitor und Papier sind daher nicht selbstverständlich. Hinzu kommen Unterschiede zwischen verschiedenen Bildschirmen sowie zwischen einzelnen Papieren und Druckverfahren.
Im professionellen Druck werden Farben deshalb anhand festgelegter Farbräume und Profile verarbeitet. Ein Farbprofil im Druck beschreibt Bedingungen, unter denen Farbdaten interpretiert und ausgegeben werden. Falsch zugeordnete oder ungeeignete Profile können beispielsweise dazu führen, dass Hauttöne, dunkle Bildbereiche oder kräftige Flächen anders erscheinen als vorgesehen.
Bei farbkritischen Produktionen kann vor der Auflage ein Proof eingesetzt werden. Er dient als Referenz für die erwartete Farbwiedergabe. Materialeigenschaften wie Haptik oder Oberflächenprägungen bildet ein solcher Prüfdruck allerdings nicht vollständig ab.
Papieroberflächen führen zu unterschiedlicher Farbwiedergabe
Welche Einzelheiten bei hochwertigem Druck zu beachten sind, zeigt sich unter anderem bei der Auswahl des Bedruckstoffs. Ein gestrichenes Papier besitzt andere Oberflächeneigenschaften als ein ungestrichenes Naturpapier. Farbe verhält sich auf beiden Materialien entsprechend unterschiedlich.
Auch die Eigenfärbung des Papiers verändert den Eindruck heller Flächen. Ein cremefarbener Bedruckstoff erzeugt eine andere Farbwahrnehmung als ein stark weißes Papier. Bei beidseitig bedruckten Seiten kommt die Opazität hinzu. Sie bezeichnet die Lichtundurchlässigkeit des Materials. Ist sie gering, können Texte und Bilder der Rückseite durchscheinen.
Grammatur und Papierstärke sind ebenfalls voneinander zu unterscheiden. Zwei Papiere mit demselben Flächengewicht können sich aufgrund ihres Volumens unterschiedlich dick anfühlen. Für Falzungen, Bindungen und Verpackungen sind zusätzlich Steifigkeit und Faserrichtung zu berücksichtigen.
Offset- und Digitaldruck arbeiten unterschiedlich
Das verwendete Verfahren bestimmt, wie die Druckinformation auf den Bedruckstoff gelangt. Beim Offsetdruck Verfahren wird das Druckbild nicht unmittelbar von der Druckplatte auf das Papier übertragen. Dazwischen befindet sich ein mit Gummituch bespannter Zylinder. Bei mehrfarbigen Motiven werden die einzelnen Druckfarben nacheinander passgenau aufgebracht. Beim Digitaldruck ist dahingegen keine feste Druckplatte erforderlich. Stattdessen werden die Bildinformationen direkt aus den digitalen Daten verarbeitet. Dadurch lassen sich innerhalb eines Druckauftrags auch unterschiedliche Inhalte umsetzen, beispielsweise wechselnde Namen, Nummerierungen oder Motive.
Die Auflagenhöhe ist nur eines von mehreren Kriterien bei der Wahl zwischen Offset- und Digitaldruck. Ebenso wichtig sind Bedruckstoff, Format, Farbaufbau, variable Inhalte und die geplante Weiterverarbeitung. Beide Verfahren sind daher nicht als unterschiedliche Qualitätsstufen zu verstehen, sondern als technisch eigenständige Herstellungsprozesse mit jeweils eigenen Einsatzbereichen.
Prägung, Lack und Folie benötigen definierte Druckdaten
Lack, Folie oder Prägung verändern einzelne Bereiche eines Druckprodukts nach dem eigentlichen Farbauftrag. Die dafür vorgesehenen Elemente müssen in der Datei eindeutig definiert sein. Je nach Verfahren werden separate Ebenen oder eigens angelegte Flächen benötigt.
Feine Linien, kleine Schriften und sehr eng gesetzte Gestaltungselemente können bei Prägungen oder Folienapplikationen technische Grenzen erreichen, obwohl sie im normalen Farbdruck noch sauber wiedergegeben werden.
Bei gefalzten Produkten kommt die spätere mechanische Belastung hinzu. Stärkeres Papier wird vor dem Falzen häufig gerillt. Dabei entsteht eine definierte Vertiefung entlang der vorgesehenen Falzlinie. Sie erleichtert das Umlegen des Materials und reduziert das Risiko unkontrollierter Bruchstellen an der Oberfläche.
Druck und Weiterverarbeitung benötigen getrennte Kontrollen
Ein fehlerfreier Druckbogen kann bei einer nachfolgenden Verarbeitung noch beschädigt werden. Umgekehrt lässt sich ein Fehler in der Druckdatei nicht durch einen sauberen Schnitt oder eine korrekte Bindung ausgleichen. Die Kontrolle muss deshalb an unterschiedlichen Stellen erfolgen: zuerst an den Druckdaten, danach am bedruckten Bogen und schließlich am weiterverarbeiteten Produkt.
Vor dem Druck sollten Format, Auflösung, Beschnitt, Schriften und Farbdaten geprüft werden. Während des Druckvorgangs ist unter anderem zu kontrollieren, ob der Farbauftrag stimmt und mehrere Farben deckungsgleich positioniert sind. Erst danach folgen je nach Produkt weitere Verarbeitungsschritte wie Schneiden, Falzen, Heften, Kleben oder Binden.
Nach der Verarbeitung rücken andere Qualitätsmerkmale in den Fokus. Schnittkanten sollten sauber ausgeführt sein, Falzungen an der vorgesehenen Stelle sitzen und gebundene Seiten in der richtigen Reihenfolge vorliegen. Auch veredelte Flächen müssen gleichmäßig und ohne auffällige Fehlstellen verarbeitet sein.
Werden Abweichungen bereits zwischen den einzelnen Produktionsschritten erkannt, lassen sich Fehler früher eingrenzen. So kann vermieden werden, dass Mängel erst nach Bindung, Veredelung oder Verpackung auffallen und im schlimmsten Fall eine größere Menge bereits fertig verarbeiteter Produkte betroffen ist.
Fazit
Die technische Güte eines Druckprodukts lässt sich nicht an einem einzelnen Merkmal festmachen. Bereits die Datei bestimmt Auflösung, Format, Beschnitt und Farbinformationen. Papier und Druckverfahren verändern anschließend die Wiedergabe dieser Daten.
Nach dem Farbauftrag folgen weitere Arbeitsschritte mit eigenen Fehlerquellen. Schneiden, Falzen, Binden und Veredeln müssen deshalb getrennt vom eigentlichen Druck betrachtet werden. Kontrollen zwischen diesen Produktionsphasen ermöglichen es, Abweichungen dort zu erkennen, wo sie entstehen, und unnötige Nachproduktionen zu vermeiden.












