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Ob das traditionsreiche Warenhaus fortgeführt wird, hängt wesentlich von der Sanierung sowie den Verhandlungen über Miete und Verkaufsfläche ab.
Galeria hat am 2. Oktober 2026 beim Amtsgericht Düsseldorf erneut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Die Filiale in Wismar bleibt vorerst geöffnet, eine Entscheidung über ihren dauerhaften Fortbestand hat das Unternehmen jedoch noch nicht veröffentlicht. Damit besteht vor allem für die Beschäftigten und den innerstädtischen Handel weiterhin Unsicherheit.
Galeria führt die Warenhäuser zunächst weiter
Der Geschäftsbetrieb in den bundesweit 83 Filialen soll nach Angaben von Galeria vorerst fortgesetzt werden. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt rund 12.000 Menschen. Konkrete Entscheidungen über Schließungen oder einen möglichen Stellenabbau stehen im Zuge des neuen Verfahrens noch aus.
Für Wismar bedeutet das: Der Insolvenzantrag führt nicht unmittelbar zur Schließung des Warenhauses. Die laufende Öffnung ist allerdings auch keine Zusage für einen langfristigen Betrieb. Entscheidend wird sein, ob Galeria im Rahmen der Sanierung ein wirtschaftlich tragfähiges Filialnetz entwickeln kann.
Der Wismarer Standort stand bereits vor dem Insolvenzantrag auf dem Prüfstand. Im Sommer 2026 hatte Galeria mitgeteilt, dass 33 Filialen gefährdet sein könnten, falls sich deren Kosten nicht ausreichend reduzieren lassen. Wismar gehörte nach Unternehmensangaben zu dieser Gruppe. Die wirtschaftliche Bewertung des Hauses ist somit Teil einer bereits laufenden Standortprüfung.
Miete und Verkaufsfläche werden zum Schlüsselfaktor
Galeria will mit Vermietern über Mietkonditionen und Anpassungen der genutzten Flächen verhandeln. Das Unternehmen verbindet die Fortführung einzelner Filialen ausdrücklich mit tragfähigen Vereinbarungen. Bei einigen Häusern liefen entsprechende Gespräche bereits vor dem Insolvenzantrag, bei weiteren sollen sie aufgenommen werden.
Für den Standort Wismar dürften diese Verhandlungen erhebliches Gewicht haben. Niedrigere Mietkosten könnten die laufenden Ausgaben senken. Eine kleinere oder anders aufgeteilte Verkaufsfläche könnte zugleich den Personal-, Energie- und Bewirtschaftungsaufwand beeinflussen. Ob solche Veränderungen ausreichen, hängt jedoch von der gesamten Ertrags- und Kostenstruktur der Filiale ab.
Wismars Bürgermeister Frank Junge bewertet die Perspektive des Warenhauses optimistisch. Er verweist auf die aus seiner Sicht bestehende Profitabilität und die besondere Geschichte des Standorts. Diese Einschätzung beschreibt die Position der Stadt, nimmt die wirtschaftliche Prüfung durch Galeria und die Beteiligten des Insolvenzverfahrens aber nicht vorweg.
Was für die Wismarer Innenstadt auf dem Spiel steht
Das Warenhaus ist nicht nur eine einzelne Verkaufsstelle, sondern ein großer Einzelhandelsstandort in der Wismarer Innenstadt. Sein Fortbestand betrifft deshalb neben den Beschäftigten auch den Vermieter sowie Händler und Dienstleister im Umfeld. Eine belastbare Zahl zum konkreten Beitrag der Filiale für Kundenfrequenz oder Umsätze benachbarter Betriebe liegt allerdings nicht vor.
Wirtschaftlich stehen zwei Interessen nebeneinander: Galeria muss die Kosten des Hauses an die erwartbaren Erlöse anpassen, während Stadt und lokaler Handel ein Interesse an einer dauerhaft genutzten Handelsfläche haben. Die historische Bedeutung des Standorts kann dessen öffentliche Wahrnehmung stärken. Für die Unternehmensentscheidung bleiben dennoch Miete, Fläche, Umsatz und Betriebskosten maßgeblich.
Hintergrund
Wismar nimmt in der Geschichte des deutschen Warenhaushandels eine besondere Stellung ein. Rudolph Karstadt eröffnete dort 1881 ein Geschäft für Textilien und Bekleidung. Daraus entwickelte sich später die Karstadt AG. Der heutige Standort ist deshalb eng mit der örtlichen Handelsgeschichte und der Entstehung des Karstadt-Konzerns verbunden.
Die lange getrennten Warenhausunternehmen Karstadt und Kaufhof wurden ab 2018 unter einem gemeinsamen Unternehmensdach zusammengeführt. Seit 2024 führt Galeria die beiden historischen Namen nicht mehr in der Unternehmensbezeichnung. Der Antrag vom Oktober 2026 ist der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Infolge früherer Verfahren wurden bereits zahlreiche Warenhäuser geschlossen.
Die wiederholten Verfahren zeigen den wirtschaftlichen Druck auf das klassische Warenhausmodell. Große Flächen und langfristige Mietverträge können die Anpassung erschweren, wenn Erlöse und Kundenverhalten sich verändern. Für Galeria besteht die Aufgabe daher nicht allein in einer kurzfristigen Finanzierung, sondern auch in der Frage, welche Standorte unter veränderten Bedingungen dauerhaft betrieben werden können.
Standortentscheidung dürfte in den Verhandlungen fallen
Für die Beschäftigten in Wismar ist entscheidend, ob die Filiale auch nach einer möglichen Sanierung Teil des Galeria-Netzes bleibt. Dafür dürften vor allem die Gespräche mit dem Vermieter und die wirtschaftliche Bewertung des Hauses ausschlaggebend sein. Auch eine veränderte Flächennutzung wäre möglich, sofern sie betrieblich und vertraglich umgesetzt werden kann.
Die Fortführung des Geschäftsbetriebs verschafft den Beteiligten zunächst Zeit. Sie verhindert einen unmittelbaren Einschnitt, löst aber die strukturellen Fragen des Standorts nicht. Wismars historische Verbindung zu Karstadt gibt der Debatte besondere lokale Bedeutung; über den Fortbestand wird am Ende jedoch ein belastbares wirtschaftliches Konzept entscheiden.















