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In Severin entsteht eine neue Schlacht- und Verarbeitungsanlage. Das Land gewährt eine Förderung von 6,7 Millionen Euro sowie eine Bürgschaft.
Die Mecklenburger Landpute baut an ihrem Standort in Severin im Landkreis Ludwigslust-Parchim eine neue Anlage für die Schlachtung und Verarbeitung von Bio-Geflügel. Das Unternehmen beziffert die Investition auf 27 Millionen Euro, das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt das Vorhaben mit einer Förderung und einer zusätzlichen Bürgschaft.
Die Grundsteinlegung fand am 15. September 2026 statt. Nach dem bisherigen Zeitplan soll der Neubau im Herbst 2027 fertiggestellt werden. Das Projekt betrifft neben dem Unternehmen und seinen Beschäftigten auch landwirtschaftliche Lieferbetriebe und Abnehmer im Lebensmitteleinzelhandel.
Kapazität für bis zu 14.000 Tiere am Tag
Nach Angaben der Mecklenburger Landpute soll die neue Anlage täglich bis zu 14.000 Hühner und Puten schlachten und verarbeiten können. Die Tiere sollen aus Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern kommen. Ob die regionale Beschaffung in diesem Umfang dauerhaft möglich ist, dürfte unter anderem vom verfügbaren Angebot an zertifiziertem Bio-Geflügel abhängen.
Mit dem Neubau will das Unternehmen zugleich technische Anforderungen des Handels erfüllen. Vorgesehen ist unter anderem eine Betäubung der Tiere mit Kohlendioxid. Weitere belastbare Angaben zur konkreten technischen Ausgestaltung liegen nicht vor.
Die Geschäftsführung begründet die Investition auch mit dem Druck großer Handelsunternehmen. Nach Darstellung der Mecklenburger Landpute könnte das Unternehmen Ende 2027 die Belieferungsmöglichkeit für Edeka verlieren, wenn die verlangte Technik bis dahin nicht zur Verfügung steht. Bei Penny seien Produkte bereits wegen nicht erfüllter Anforderungen aus dem Sortiment genommen worden. Dabei handelt es sich um Angaben des Unternehmens.
Förderung und Bürgschaft sind getrennte Instrumente
Mecklenburg-Vorpommern fördert das Vorhaben mit 6,7 Millionen Euro. Das entspricht knapp einem Viertel des genannten Investitionsvolumens. Wie der verbleibende Betrag finanziert wird, ist nicht näher beziffert.
Zusätzlich hat das Land eine Bürgschaft gegenüber einer finanzierenden Bank übernommen. Deren Höhe ist nicht ausgewiesen. Anders als die Förderung ist eine Bürgschaft keine unmittelbare Auszahlung an das Unternehmen. Das Land sichert damit gegenüber dem Kreditinstitut einen Teil des vereinbarten Risikos ab, falls der Kreditnehmer seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann.
Die beiden Instrumente verfolgen damit unterschiedliche Zwecke: Die Förderung verringert den vom Unternehmen anderweitig zu finanzierenden Investitionsbetrag, während die Bürgschaft die Kreditfinanzierung erleichtern kann. Die öffentliche Unterstützung ändert jedoch nichts daran, dass die Anlage nach ihrer Fertigstellung ausreichend ausgelastet werden muss. Entscheidend sind dafür vor allem ein verlässliches Angebot an Bio-Geflügel und langfristig gesicherte Absatzwege.
Wirtschaftspolitisch verbindet das Land das Projekt mit dem Ziel, mehr Verarbeitungsschritte in Mecklenburg-Vorpommern zu halten. Wenn Tierhaltung, Schlachtung und Weiterverarbeitung innerhalb des Landes stattfinden, könnte ein größerer Teil der Wertschöpfung regional verbleiben. Wie viele neue Arbeitsplätze durch den Neubau entstehen, ist nicht belastbar beziffert.
Hintergrund
Ende März 2026 wurden nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums rund 206.500 Hektar in Mecklenburg-Vorpommern ökologisch bewirtschaftet. Etwa jeder vierte Landwirtschaftsbetrieb im Land war biozertifiziert. Für die regionale Ernährungswirtschaft ist neben der Erzeugung auch entscheidend, ob geeignete Kapazitäten für Verarbeitung und Vermarktung vorhanden sind.
Bei Geflügelfleisch umfasst die Wertschöpfungskette mehrere aufeinander angewiesene Stufen. Dazu gehören Tierhaltung, Schlachtung, Zerlegung, Verarbeitung, Verpackung und Absatz. Das Land unterstützt deshalb auch das Netzwerk „Bioregionale Wertschöpfung in MV“. Für dessen Aufbau stehen über vier Jahre 422.500 Euro von der Europäischen Union und dem Land sowie 77.500 Euro von der Stiftung NUE zur Verfügung. Zu den Arbeitsfeldern gehören regionale Fleischverarbeitung und mobile Schlachtung.
Bio-Produkte müssen besondere Anforderungen an Haltung und Fütterung erfüllen. Gleichzeitig hängt die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Verarbeitung davon ab, ob Handelsunternehmen und Verbraucher die Produkte in ausreichender Menge nachfragen. Große Anlagen erhöhen deshalb nicht nur die mögliche Produktionsmenge, sondern auch die Bedeutung einer kontinuierlichen Auslastung.
Regionale Lieferketten bleiben eine Bedingung
Für landwirtschaftliche Betriebe könnte die neue Anlage einen regionalen Abnehmer für Bio-Geflügel schaffen. Voraussetzung wäre, dass Tierzahlen, Zertifizierung, Qualität und Liefertermine zum Bedarf des Verarbeiters passen. Der Bau allein stellt daher noch nicht sicher, dass die geplante Kapazität vollständig mit Tieren aus Mecklenburg-Vorpommern ausgelastet werden kann.
Auf der Absatzseite bleibt der Lebensmitteleinzelhandel ein wesentlicher Faktor. Die von der Geschäftsführung genannten Fälle Edeka und Penny zeigen aus Sicht des Unternehmens, welche Bedeutung technische Anforderungen einzelner Handelsketten für den Marktzugang haben können. Der Neubau soll diese Anforderungen erfüllen, schützt aber nicht vor künftigen Änderungen bei Sortimenten, Preisen oder Lieferbedingungen.
Das Projekt kann die Verbindung zwischen ökologischer Tierhaltung und regionaler Verarbeitung stärken. Ob daraus dauerhaft zusätzliche Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern entsteht, wird sich jedoch erst im Betrieb zeigen. Die öffentliche Unterstützung erleichtert die Investition, garantiert aber weder die Auslastung noch den Absatz.















