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Breyden plant das Produktionsende für den 31. Dezember 2026. Für rund 300 Beschäftigte sind Standortsuche und soziale Absicherung entscheidend.
Die Breyden-Gruppe will die Eisengießerei in Ueckermünde zum 31. Dezember 2026 schließen. Betroffen sind rund 300 Beschäftigte; ein von Bürgermeister Tino Spiegelberg gebildeter Krisenstab prüft Möglichkeiten für den Erhalt industrieller Produktion am Standort.
Parallel dazu sollen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretung über einen Sozialplan, Abfindungen und eine mögliche Transfergesellschaft verhandeln. Diese Gespräche über die Folgen der geplanten Schließung sind von der Suche nach einem Betreiber oder einem anderen Nutzungskonzept zu unterscheiden.
Was über die Schließungspläne bekannt ist
Die Geschäftsführung informierte die Belegschaft am 2. Oktober 2026 über das geplante Produktionsende. Je nach Abgrenzung werden 290 bis 320 Betroffene genannt. Damit ist rund 300 die belastbare Größenordnung. Ein Insolvenzverfahren wurde nicht angekündigt; die Fertigung soll nach dem bisherigen Zeitplan bis zum Jahresende 2026 weiterlaufen.
Breyden begründet die Entscheidung mit einer geringen Auslastung, rückläufigen Aufträgen aus der Automobilindustrie und hohen Kosten. Das ist die Darstellung des Unternehmens. Eine öffentlich nachvollziehbare wirtschaftliche Bewertung des Werks, aus der sich der Investitionsbedarf und mögliche Sanierungsvarianten ableiten ließen, liegt bislang nicht vor.
Nach Angaben der Geschäftsführung gibt es derzeit keinen Interessenten für eine Übernahme. Das schließt spätere Gespräche nicht aus, verdeutlicht aber den Zeitdruck. Ein möglicher Betreiber müsste klären, welche Aufträge über 2026 hinaus bestehen, welche Anlagen weiter genutzt werden können und mit welcher Produktionsmenge sich das Werk wirtschaftlich betreiben ließe.
Krisenstab und weitere Beratungen haben unterschiedliche Aufgaben
Bürgermeister Tino Spiegelberg hat den Krisenstab gemeinsam mit Stadtvertretern und einem Fachmann aus dem Gießereigeschäft gebildet. Die Landesregierung, der Betriebsrat und die IG Metall sind an Beratungen über die Zukunft des Standorts beteiligt, gehören nach dem bekannten Stand aber nicht automatisch diesem kommunalen Krisenstab an.
Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Wolfgang Blank nahm an Gesprächen in Ueckermünde teil. Auch Vertreter der IG Metall und des Betriebsrats brachten ihre Positionen ein. Im Mittelpunkt stehen die wirtschaftliche Lage des Werks und die Frage, ob sich eine Fortführungsperspektive entwickeln lässt. Konkrete Zusagen für einen neuen Betreiber oder eine staatliche Beteiligung gibt es bislang nicht.
Für die Standortsuche sind vor allem belastbare Unternehmensdaten wichtig. Dazu gehören die laufenden Verträge, die erwartete Auftragsentwicklung, die Kostenstruktur, der Zustand der Anlagen und mögliche Investitionen. Erst auf dieser Grundlage könnte beurteilt werden, ob das gesamte Werk, einzelne Produktionsbereiche oder eine kleinere Fertigung weitergeführt werden könnten.
Sozialplan und Transfergesellschaft
Unabhängig von der Standortsuche müssen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretung die möglichen Folgen für die Belegschaft regeln. Nach Angaben der Geschäftsführung sollten die Gespräche über einen Sozialplan ab Mitte Oktober beginnen. Ein Sozialplan kann wirtschaftliche Nachteile einer Betriebsänderung abmildern, etwa durch Abfindungen oder weitere Unterstützungsleistungen.
Zur Debatte steht außerdem eine Transfergesellschaft. Sie kann Beschäftigte befristet übernehmen, Qualifizierungen organisieren und die Suche nach einer neuen Stelle unterstützen. Die Konditionen, die Dauer und der Kreis der einbezogenen Beschäftigten wären Gegenstand der Verhandlungen. Eine Transfergesellschaft erhält die bisherigen Arbeitsplätze nicht, kann aber den Übergang in eine andere Beschäftigung begleiten.
Für die Betroffenen ist deshalb nicht nur die Höhe möglicher Abfindungen relevant. Wichtig sind auch die Dauer der Absicherung, passende Weiterbildungen und erreichbare Beschäftigungsalternativen. Welche Vereinbarungen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretung treffen können, ist noch offen.
Hintergrund
Die Breyden-Gruppe übernahm den Standort Ueckermünde 2025 von der MAT Foundry Group. Das Werk fertigt unter anderem Bremssättel und Bremsgehäuse für die Automobilindustrie. Damit hängt seine Auslastung wesentlich von Aufträgen aus dieser Branche ab.
Nach Angaben der Geschäftsführung verarbeitete das Werk vor einigen Jahren noch etwa 50.000 Tonnen Eisen jährlich, zuletzt seien es rund 35.000 Tonnen gewesen. Diese Zahlen stammen vom Unternehmen und sind nicht unabhängig bestätigt. Wirtschaftlich ist die Auslastung für eine Gießerei besonders wichtig: Kosten für Öfen, Formanlagen, Gebäude und Personal fallen zu einem erheblichen Teil auch dann an, wenn weniger produziert wird. Bei sinkender Menge verteilen sich diese Kosten auf weniger Gussteile.
Auch die deutsche Gießereiindustrie steht unter wirtschaftlichem Druck. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Gießerei-Industrie sank die Gussproduktion 2025 um rund vier Prozent auf 3,3 Millionen Tonnen. Die Beschäftigung sei um sechs Prozent auf gut 60.000 Menschen zurückgegangen. Die Verbandsdaten beschreiben die bundesweite Branchenlage, erlauben aber keine abschließende Bewertung der Wirtschaftlichkeit des einzelnen Werks in Ueckermünde.
Mehrere Szenarien bleiben denkbar
Die weitere Entwicklung hängt nun von zwei getrennten Prozessen ab. Einerseits verhandeln Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretung über die soziale Absicherung. Andererseits prüft der Krisenstab, ob industrielle Beschäftigung am Standort erhalten werden kann. Denkbar wären ein Weiterbetrieb des gesamten Werks, eine kleinere Fertigung, die Übernahme einzelner Bereiche oder eine andere industrielle Nutzung.
Jede Variante hätte unterschiedliche Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze und den erforderlichen Kapitalbedarf. Ein vollständiger Weiterbetrieb könnte mehr Beschäftigung erhalten, würde aber ausreichende Aufträge und eine tragfähige Finanzierung voraussetzen. Eine kleinere Lösung könnte weniger Kapital benötigen, böte jedoch voraussichtlich nur einem Teil der Belegschaft eine Perspektive.
Ob sich eines dieser Szenarien umsetzen lässt, kann derzeit nicht belastbar beurteilt werden. Entscheidend dürfte sein, ob die wirtschaftlichen Kennzahlen rechtzeitig offengelegt werden und sich ein Betreiber mit einem finanzierbaren Konzept findet. Bis dahin bleiben sowohl die Zukunft des Werks als auch die konkreten Bedingungen für die rund 300 Beschäftigten offen.












