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Rund 300 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Ein angekündigtes Spitzengespräch soll klären, ob es ein tragfähiges Modell für den Standort gibt.
Die angekündigte Schließung der Eisengießerei Ueckermünde zum Jahresende bedroht rund 300 Industriearbeitsplätze in Vorpommern-Greifswald. Ein für Ende Oktober geplantes Spitzengespräch soll ausloten, ob sich der Standort wirtschaftlich fortführen lässt und welche Rolle öffentliche Unterstützung dabei spielen könnte. Betroffen sind neben der Belegschaft auch Familien, Dienstleister und die regionale Wirtschaft.
Spitzengespräch soll Handlungsoptionen klären
Der Betreiber Breyden informierte die Beschäftigten Anfang Oktober über die geplante Schließung zum 31. Dezember 2026. Das Unternehmen begründet die Entscheidung mit Verlusten, unzureichender Auslastung und fehlenden langfristigen Perspektiven. Diese Angaben beschreiben die Position des Eigentümers; öffentlich zugängliche Kennzahlen zur wirtschaftlichen Lage des einzelnen Werks liegen bislang nicht vor.
Ueckermündes Bürgermeister Tino Spiegelberg hatte sich inzwischen mit Vertretern der IG Metall, dem Betriebsrat und zwei früheren Geschäftsführern beraten. Die aktuelle Geschäftsführung nahm an diesem Gespräch nicht teil. Für Ende Oktober ist eine weitere Runde mit Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Wolfgang Blank und dem CDU-Politiker Philipp Amthor angekündigt. Dabei soll es auch um mögliche Förderinstrumente gehen.
Parallel laufen Gespräche über einen Sozialplan. Er soll wirtschaftliche Nachteile für die Beschäftigten abfedern, falls die Schließung umgesetzt wird. Die Verhandlungen über soziale Folgen ersetzen jedoch kein Fortführungskonzept. Solange beide Prozesse parallel laufen, bleibt offen, ob noch eine industrielle Perspektive gesucht oder bereits vor allem das Ende des Betriebs organisiert wird.
Ein tragfähiges Modell braucht mehr als Subventionen
Eine Rettung müsste drei Fragen beantworten: Wer betreibt das Werk, welche Aufträge sichern eine ausreichende Auslastung und wie werden laufender Betrieb sowie notwendige Investitionen finanziert? Öffentliche Mittel könnten unter bestimmten Voraussetzungen Zeit verschaffen oder Investitionen erleichtern. Sie können aber dauerhaft fehlende Nachfrage oder strukturelle Verluste nicht ausgleichen.
Entscheidend wäre deshalb ein Konzept, das private Verantwortung und öffentliche Unterstützung klar voneinander trennt. Dazu gehörten belastbare Auftragsaussichten, ein realistischer Kapitalbedarf und ein Betreiber, der eigene Mittel und industrielle Kompetenz einbringt. Ebenfalls zu klären wäre, ob Kunden langfristige Abnahmemengen zusagen könnten und welche technischen Investitionen für eine wettbewerbsfähige Produktion erforderlich sind.
Bislang ist kein öffentlich nachvollziehbares Betreiber-, Auftrags- und Finanzierungskonzept bekannt. Das angekündigte Spitzengespräch wird daher nicht allein an politischen Absichtserklärungen zu messen sein. Es müsste einen konkreten Prozess mit Verantwortlichkeiten, Fristen und wirtschaftlichen Prüfkriterien anstoßen.
Hintergrund
Das Werk wechselte 2025 im Rahmen einer größeren Transaktion den Eigentümer. Aequita übernahm den Standort gemeinsam mit drei weiteren deutschen Betrieben der damaligen MAT Foundry Group. Später wurden die Werke in die Marke Breyden integriert. Zwischen der Übernahme und der angekündigten Schließung in Ueckermünde liegen damit nur etwa 15 Monate.
Die kurze Zeitspanne verschärft den Konflikt über die Verantwortung für den Standort. Belastungen wie hohe Energie-, Material- und Personalkosten, schwache Nachfrage aus der Automobilindustrie und internationaler Wettbewerb waren in der Gießereibranche bereits vor dem Eigentümerwechsel sichtbar. Breyden vertritt die Auffassung, zusätzliche Investitionen allein könnten das wirtschaftliche Grundproblem in Ueckermünde nicht lösen.
Auch die Kommunikation wirft Fragen auf. Wirtschaftsminister Blank besuchte den Betrieb am 17. September 2026. Zu diesem Zeitpunkt wurden wirtschaftliche Belastungen und der Transformationsbedarf der Branche thematisiert. Die Belegschaft erfuhr rund zwei Wochen später von der beabsichtigten Schließung.
Folgen reichen über das Werk hinaus
Für Ueckermünde hätte der Verlust von rund 300 Industriearbeitsplätzen erhebliche Bedeutung. Beschäftigte in Gießereien verfügen häufig über spezialisierte Kenntnisse in Produktion, Instandhaltung, Formtechnik und Qualitätssicherung. Fallen solche Arbeitsplätze weg, könnte ein Teil dieser Qualifikationen die Region verlassen oder für andere Industriebetriebe schwerer verfügbar werden.
Mögliche Folgewirkungen beträfen zudem regionale Handwerksbetriebe, Transportdienstleister und weitere Auftragnehmer. Wie groß diese Effekte tatsächlich wären, hängt davon ab, welcher Anteil der Beschaffung und Dienstleistungen aus der Umgebung stammt. Eine belastbare regionale Gesamtrechnung ist bislang nicht veröffentlicht.
Der Fall Ueckermünde wird damit zum Test für Industriepolitik in einer strukturschwächeren Region. Eine vorschnelle Förderung ohne tragfähiges Geschäftsmodell würde wirtschaftliche Risiken auf die öffentliche Hand verlagern. Ein Verzicht auf jede Unterstützung könnte hingegen den Verlust industrieller Fähigkeiten beschleunigen, falls grundsätzlich eine wettbewerbsfähige Fortführung möglich wäre.
Politik, Eigentümer und Arbeitnehmervertretung stehen deshalb vor unterschiedlichen Aufgaben. Der Betreiber muss die wirtschaftliche Lage transparent machen und Alternativen zur Schließung nachvollziehbar bewerten. Die Politik kann Gespräche koordinieren und zulässige Instrumente prüfen, sollte Hilfen aber an überprüfbare Bedingungen knüpfen. Lässt sich kein belastbares Konzept entwickeln, rücken ein fairer Sozialplan und neue Beschäftigungsperspektiven für die Belegschaft in den Mittelpunkt. Der industriepolitische Prüfstein besteht somit nicht darin, den Standort um jeden Preis zu erhalten, sondern innerhalb kurzer Zeit zwischen einer realistischen Fortführung und einem geordneten Strukturübergang zu unterscheiden.















