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Die Herbstbelebung senkt im September die Arbeitslosigkeit. Im zweiten Quartal ging die Erwerbstätigkeit in den meisten Wirtschaftsbereichen zurück.
In Mecklenburg-Vorpommern waren im September 2026 weniger Menschen arbeitslos gemeldet als im August. Gleichzeitig lag die Zahl der Erwerbstätigen im zweiten Quartal unter dem Vorjahreswert. Für Unternehmen, Beschäftigte und Kommunen ergibt sich damit ein geteiltes Bild: Die Arbeitslosigkeit ging kurzfristig zurück, während die Erwerbstätigkeit im Jahresvergleich abnahm.
Arbeitslosigkeit sinkt im September
Nach Angaben der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit waren im September rund 61.900 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern arbeitslos gemeldet. Das waren 2.300 weniger als im August. Die Arbeitslosenquote sank von 7,8 auf 7,6 Prozent. Gegenüber September 2025 ging sie um 0,2 Prozentpunkte zurück.
Die Regionaldirektion Nord bezeichnete die Entwicklung als jahreszeitlich typische Herbstbelebung. Ein Vergleich mit dem Vormonat reicht allerdings nicht aus, um die längerfristige Richtung des Arbeitsmarktes zu bestimmen. Monatswerte können durch jahreszeitliche Bewegungen beeinflusst werden.
Zwischen den Regionen bestanden deutliche Unterschiede. Im Landkreis Rostock und in Ludwigslust-Parchim lag die Arbeitslosenquote jeweils bei 5,8 Prozent. Für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wurden 8,8 Prozent ausgewiesen. In der kreisfreien Stadt Rostock betrug die Quote 7,5 Prozent, in Schwerin 9,8 Prozent.
Erwerbstätigkeit liegt unter dem Vorjahresniveau
Die Quartalszahlen des Statistischen Amtes Mecklenburg-Vorpommern weisen ebenfalls einen Rückgang aus. Im zweiten Quartal 2026 waren im Land rund 748.700 Menschen erwerbstätig. Nach vorläufigen Berechnungen des Arbeitskreises Erwerbstätigenrechnung der Länder waren das etwa 5.700 Personen oder 0,8 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2025.
Damit fiel die Abnahme stärker aus als im Bundesdurchschnitt von 0,5 Prozent. In 15 der 16 Bundesländer ging die Zahl der Erwerbstätigen zurück. Mecklenburg-Vorpommern lag mit einem Minus von 0,8 Prozent auf Rang 13. Stärkere Rückgänge verzeichneten das Saarland, Thüringen und Sachsen.
In mehreren Wirtschaftsbereichen waren weniger Menschen erwerbstätig als ein Jahr zuvor:
- Im Produzierenden Gewerbe sank die Erwerbstätigkeit um 1,8 Prozent beziehungsweise rund 2.400 Personen.
- Im Verarbeitenden Gewerbe betrug der Rückgang ebenfalls 1,8 Prozent oder etwa 1.300 Personen.
- Im Baugewerbe nahm die Zahl der Erwerbstätigen um 2,5 Prozent beziehungsweise rund 1.200 Personen ab.
- In Handel, Verkehr, Gastgewerbe sowie Information und Kommunikation ging sie um 1,6 Prozent oder rund 3.100 Personen zurück.
- Bei Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleistern sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen betrug die Abnahme 2,3 Prozent beziehungsweise rund 2.500 Personen.
Eine gegenläufige Entwicklung gab es im zusammengefassten Bereich öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung und Gesundheit. Dort stieg die Zahl der Erwerbstätigen um 0,8 Prozent oder rund 2.400 Personen. Diese Zunahme glich den Rückgang in den anderen Dienstleistungsbereichen nicht aus. In der Land- und Forstwirtschaft einschließlich Fischerei fiel die Abnahme mit 0,3 Prozent oder rund 100 Personen vergleichsweise gering aus.
Warum beide Kennzahlen gleichzeitig sinken können
Weniger registrierte Arbeitslose und eine geringere Zahl von Erwerbstätigen sind statistisch kein Widerspruch. Die Arbeitslosenzahl für September erfasst die registrierten Arbeitslosen zu einem festgelegten Zeitpunkt. Die Erwerbstätigenrechnung betrachtet dagegen die durchschnittliche Erwerbstätigkeit in einem Quartal und vergleicht sie hier mit dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres.
Zudem führt nicht jeder Abgang aus der Erwerbstätigkeit unmittelbar in die registrierte Arbeitslosigkeit. Menschen können beispielsweise in den Ruhestand wechseln, dem Arbeitsmarkt aus anderen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen oder ihren Wohn- beziehungsweise Arbeitsort verändern. Welcher dieser Mechanismen die Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern in welchem Umfang beeinflusst hat, lässt sich aus den beiden Kennzahlen allein nicht bestimmen.
Hintergrund
Die monatliche Arbeitsmarktstatistik und die Erwerbstätigenrechnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Die Bundesagentur für Arbeit erfasst unter anderem registrierte Arbeitslose und berechnet deren Anteil an den zivilen Erwerbspersonen. Die Erwerbstätigenrechnung berücksichtigt dagegen alle Erwerbstätigen und macht Veränderungen zwischen Wirtschaftsbereichen sichtbar. Ihre Ergebnisse erscheinen mit zeitlichem Abstand und werden zunächst vorläufig berechnet.
Für die wirtschaftliche Einordnung sind deshalb mehrere Vergleichsebenen nötig. Der Vormonatsvergleich bildet kurzfristige Bewegungen ab. Der Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum hilft, jahreszeitliche Einflüsse besser einzuordnen. Branchendaten zeigen zusätzlich, in welchen Bereichen die Zahl der Erwerbstätigen gestiegen oder gesunken ist. Ein einzelner Monats- oder Quartalswert belegt jedoch noch keine strukturelle Entwicklung.
Bedeutung für Betriebe und Regionen
Für Unternehmen kann eine sinkende Erwerbstätigenzahl unterschiedliche Entwicklungen widerspiegeln. Möglich wären eine geringere Nachfrage nach Arbeitskräften, nicht wiederbesetzte Stellen oder Veränderungen im Arbeitskräfteangebot. Aus den vorliegenden Quartalszahlen allein lassen sich die jeweiligen Ursachen nicht ableiten.
Wirtschaftlich relevant ist insbesondere die Abnahme im Baugewerbe und im Produzierenden Gewerbe. Sollte sie länger anhalten, könnte dies auch regionale Zulieferer und Dienstleister betreffen. Die Septemberdaten zeigen zunächst eine kurzfristige Entlastung bei der registrierten Arbeitslosigkeit, aber keine eindeutige Trendwende. Ob sich eine längerfristige Schwäche entwickelt, lässt sich erst anhand weiterer Quartale und einer mehrjährigen Betrachtung beurteilen.















