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Darß und Zingst bilden die technische Schnittstelle zwischen dem geplanten Offshore-Windpark und dem Übertragungsnetz von 50Hertz.
Beim Offshore-Windpark Gennaker vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns sind die beiden Umspannplattformen Darß und Zingst installiert worden. Damit steht eine zentrale Komponente für die Netzanbindung der 63 geplanten Windenergieanlagen, die zusammen eine installierte Leistung von 976,5 Megawatt erreichen sollen.
Der Baufortschritt ist vor allem für den Projektentwickler Skyborn Renewables, den Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz sowie beteiligte maritime Dienstleister relevant. Strom kann der Windpark allein aufgrund der Plattforminstallation allerdings noch nicht liefern: Dafür müssen unter anderem Windenergieanlagen, Seekabel und die weitere Netzanbindung fertiggestellt werden.
Plattformen bündeln und transformieren den Windstrom
Die Umspannplattformen gehören zum Netzanbindungssystem OST-6-1, das 50Hertz verantwortet. Sie sollen den von den Windenergieanlagen erzeugten Strom sammeln und die Spannung von 66 Kilovolt auf 220 Kilovolt erhöhen. Auf dieser höheren Spannungsebene lässt sich die Energie mit geringeren Übertragungsverlusten in Richtung Festland transportieren.
Darß und Zingst übernehmen damit die Funktion eines Umspannwerks auf See. Die installierten Plattformen bilden die Schnittstelle zwischen dem windparkinternen Kabelnetz und der Leitung zum landseitigen Stromnetz. Für das Netzanbindungssystem wird eine Übertragungskapazität von 927 Megawatt angegeben. Sie liegt unter der geplanten installierten Windparkleistung von 976,5 Megawatt.
Aus dieser Differenz allein lässt sich nicht ableiten, wie viel Strom im späteren Betrieb tatsächlich abgeregelt werden müsste. Windenergieanlagen erreichen ihre jeweilige Nennleistung nicht dauerhaft und nicht unter allen Betriebsbedingungen gleichzeitig.
Für die Installation kam das Spezialschiff Pioneering Spirit des niederländischen Offshore-Dienstleisters Allseas zum Einsatz. Zunächst wurden die Unterkonstruktionen am Meeresboden verankert, anschließend folgten die Plattformaufbauten. Mit der Installation ist ein wesentlicher Bauabschnitt der Netzanbindung abgeschlossen.
Gennaker entsteht vor Fischland-Darß-Zingst
Der Windpark liegt rund 15 Kilometer nördlich der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst im Küstenmeer Mecklenburg-Vorpommerns. Entwickelt wurde das Projekt von Skyborn Renewables. Die Stadtwerke München sind mit 25 Prozent beteiligt. Vorgesehen sind 63 Windenergieanlagen der 15-Megawatt-Klasse.
Nach der Projektplanung soll Gennaker jährlich etwa 3,8 Terawattstunden Strom erzeugen. Diese Angabe ist eine Prognose des Entwicklers und hängt im Betrieb unter anderem von Windverhältnissen, technischer Verfügbarkeit, Netzkapazität und möglichen Abschaltungen ab. Die vollständige kommerzielle Inbetriebnahme ist bis Ende 2028 vorgesehen.
Zu den nächsten wesentlichen Schritten gehören die Kabelverbindungen auf See, die Anbindung an das Festland und weitere Arbeiten bis zum Umspannwerk Gnewitz im Landkreis Rostock. Danach müssen die einzelnen Windenergieanlagen errichtet, angeschlossen und getestet werden. Die montierten Plattformen schaffen somit eine notwendige Voraussetzung, schließen das Gesamtprojekt aber noch nicht ab.
Hintergrund
Offshore-Windenergieanlagen stehen vor der Küste und speisen ihren Strom nicht unmittelbar in regionale Verteilnetze ein. Innerhalb eines Windparks führen Kabel die Energie zunächst zu einer Umspannplattform. Von dort wird sie über ein Netzanbindungssystem zum Festland und anschließend in das überregionale Übertragungsnetz geleitet.
Bei Gennaker sind die Aufgaben zwischen Windparkbetreiber und Netzbetreiber aufgeteilt. Während Skyborn Renewables und die Stadtwerke München das Erzeugungsprojekt realisieren, liegt das System OST-6-1 im Verantwortungsbereich von 50Hertz. Diese Arbeitsteilung erfordert eine Abstimmung der Bauzeiten: Verzögerungen bei Kabeln, Plattformen, Windenergieanlagen oder Landanschluss könnten die Inbetriebnahme des Gesamtsystems beeinflussen.
Eine Besonderheit ist der Standort im Küstenmeer Mecklenburg-Vorpommerns. Gennaker liegt damit außerhalb der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone, in der ein großer Teil der deutschen Offshore-Planung stattfindet. Für Mecklenburg-Vorpommern berührt das Projekt neben der Energiepolitik auch maritime Logistik, Netzinfrastruktur und Flächennutzung vor der Küste.
Regionale Wertschöpfung noch nicht bezifferbar
Offshore-Projekte benötigen unter anderem Spezialschiffe, Hafenleistungen, Elektrotechnik, Wartung und Logistik. Welcher Anteil der Aufträge und der Wertschöpfung bei Gennaker tatsächlich in Mecklenburg-Vorpommern anfällt, lässt sich anhand der veröffentlichten Projektdaten derzeit nicht beziffern. Der Standort vor der Küste bedeutet nicht automatisch, dass Lieferungen und Dienstleistungen aus dem Land kommen.
Für die Energiewirtschaft ist entscheidend, dass Erzeugungsanlagen und Netzanschluss zeitlich zusammenpassen. Eine fertige Windenergieanlage ohne verfügbare Leitung könnte keinen Strom einspeisen. Umgekehrt bliebe eine bereits errichtete Netzanbindung zunächst ungenutzt, wenn sich der Bau der Anlagen verzögert.
Die Installation von Darß und Zingst dokumentiert einen konkreten Fortschritt, ist aber noch kein Nachweis für die termingerechte Fertigstellung des Windparks. Ob Gennaker bis Ende 2028 vollständig in Betrieb gehen kann und in welchem Umfang Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern wirtschaftlich beteiligt sind, hängt von den folgenden Bauabschnitten und der Fertigstellung der gesamten Netzanbindung ab.














