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Der finnische Edelstahlhersteller zieht seine Pläne für eine Biokohlenstoffanlage in Sassnitz zurück. Ausschlaggebend war die fehlende Abnahme der Prozesswärme.
Der finnische Edelstahlhersteller Outokumpu wird die geplante Biokohlenstoffanlage im Mukran Port bei Sassnitz nicht bauen. Das mit rund 40 Millionen Euro veranschlagte Vorhaben scheiterte nach Unternehmensangaben vor allem daran, dass sich für die entstehende Prozesswärme regional nicht genügend Abnehmer fanden. Für den Hafen entfallen damit ein geplanter langfristiger Mieter und zunächst in Aussicht gestellte 25 Arbeitsplätze.
Mietvertrag für Hafenfläche aufgehoben
Outokumpu hat die ursprüngliche Planung aufgegeben und den Mietvertrag mit der Fährhafen Sassnitz GmbH im gegenseitigen Einvernehmen aufgehoben. Das Unternehmen hatte Ende 2024 ein Investitionsvolumen von etwa 40 Millionen Euro genannt. Die Anlage sollte ursprünglich im ersten Halbjahr 2026 in Betrieb gehen.
Vorgesehen war eine Jahresproduktion von rund 15.000 Tonnen Biokohlenstoff aus Abfallholz. Das Material sollte per Schiff nach Finnland transportiert und dort zu Biokoks weiterverarbeitet werden. In der Ferrochromherstellung, einer Vorstufe der Edelstahlproduktion, kann Biokoks als Reduktionsmittel eingesetzt werden. Ein Reduktionsmittel entzieht dem verarbeiteten Erz Sauerstoff. Outokumpu wollte damit einen Teil der konventionellen Kohle ersetzen und die Emissionen seiner Produktion senken.
Die angekündigten 40 Millionen Euro waren ein geplantes Investitionsvolumen. Sie sind daher nicht mit einem bereits entstandenen wirtschaftlichen Schaden am Standort gleichzusetzen. Auch die 25 Stellen bestanden noch nicht. Für Sassnitz und den Hafen fällt jedoch eine Ansiedlung aus, mit der Beschäftigung, Mieteinnahmen und mögliche Gewerbesteuereinnahmen verbunden gewesen wären.
Fehlende Wärmeabnahme belastet das Geschäftsmodell
Die Anlage sollte Biokohlenstoff durch Pyrolyse herstellen. Dabei wird organisches Material bei hohen Temperaturen und unter weitgehendem Ausschluss von Sauerstoff umgewandelt. Neben dem gewünschten Kohlenstoff entsteht nutzbare Wärme. Das Konzept für Mukran sah vor, diese Wärme nicht ungenutzt abzugeben, sondern in die regionale Versorgung einzubinden.
Nach Angaben von Outokumpu reichten die Möglichkeiten zur Wärmeabnahme in der Region nicht aus. Der Verkauf der Prozesswärme war Teil der wirtschaftlichen Kalkulation und sollte unter anderem dazu beitragen, den Einkauf des Abfallholzes zu finanzieren. Ohne ausreichend große und verlässlich erreichbare Abnehmer verschlechterte sich damit die Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlage.
Das Problem liegt nicht allein in der Zahl potenzieller Kunden. Industrielle Abwärme lässt sich nur nutzen, wenn Erzeugung und Nachfrage zeitlich, technisch und räumlich zusammenpassen. Erforderlich sind Leitungen, Übergabestationen und häufig zusätzliche Speicher oder Reserveanlagen. Außerdem müssen Temperatur, Wärmemenge, Lieferprofil und Vertragslaufzeit zum Bedarf eines Wärmenetzes oder industrieller Abnehmer passen. Konkrete Angaben zur vorgesehenen Wärmemenge und zu den nötigen Infrastrukturkosten liegen nicht vor.
Für künftige Projekte in Mukran bedeutet das: Eine hohe Wärmeproduktion ist nur dann ein Standortvorteil, wenn die Abnahme frühzeitig verbindlich organisiert wird. Denkbar wären kommunale Wärmenetze, größere Gewerbebetriebe oder mehrere zusammengeschlossene Verbraucher. Auf Rügen können Entfernungen und eine vergleichsweise kleinteilige Siedlungsstruktur solche Lösungen jedoch verteuern.
Hintergrund
Der Mukran Port verfügt über rund 400 Hektar Gewerbe- und Industrieflächen. Teile des Areals wurden in der Vergangenheit für zeitlich begrenzte Großaufträge genutzt, darunter die Betonummantelung von Pipeline-Rohren und die Herstellung von Betonteilen für die Kopenhagener U-Bahn. Mit Outokumpu sollte dagegen ein dauerhafter industrieller Nutzer in ein ehemaliges Betonummantelungswerk einziehen.
Zugleich hat sich Mukran zu einem Standort für die Offshore-Windwirtschaft entwickelt. Unternehmen nutzen den Hafen als Betriebs- und Logistikbasis für Windparks in der Ostsee. Die Verbindung von Hafenlogistik, verfügbaren Industrieflächen und Energieinfrastruktur bietet grundsätzlich Ansatzpunkte für weitere Ansiedlungen. Sie ersetzt aber nicht den Nachweis, dass jedes einzelne Geschäftsmodell unter den örtlichen Bedingungen wirtschaftlich funktioniert.
Hafenchef Henry Forster strebt nach der Absage ein Energiekonzept an, das nicht nur das Hafengelände, sondern weitere Teile Rügens einbezieht. Dabei sollen neben Wärme auch Windenergie, Photovoltaik und Batteriespeicher betrachtet werden. Ein größerer Planungsraum könnte zusätzliche Verbraucher und Erzeuger zusammenführen. Ob daraus tragfähige Projekte entstehen, hängt allerdings von Investitionskosten, Genehmigungen und langfristigen Lieferverträgen ab.
Folgen für die Ansiedlungsstrategie
Die Absage zeigt ein grundsätzliches Risiko energieintensiver Industrieprojekte: Neben Fläche, Hafenanschluss und Stromversorgung können Nebenprodukte wie Wärme über die Rentabilität entscheiden. Werden mögliche Abnehmer erst nach der Standortwahl gesucht, können fehlende Netze oder zu geringe Absatzmengen ein weit entwickeltes Vorhaben stoppen.
Für den Mukran Port dürfte deshalb wichtiger werden, Energie- und Wärmeströme bereits vor neuen Vertragsabschlüssen zu erfassen. Dazu gehören belastbare Angaben darüber, wann und in welcher Menge Energie entsteht, wer sie abnehmen kann und welche Leitungen erforderlich wären. Auch die kommunale Wärmeplanung kann hierfür Anhaltspunkte liefern. Sie allein garantiert jedoch noch keinen wirtschaftlichen Absatz.
Stadt und Hafen können bereits geleistete Planungsarbeiten möglicherweise für andere Investoren verwenden. Ob dies gelingt, hängt davon ab, wie projektspezifisch Genehmigungsunterlagen, technische Untersuchungen und Erschließungsplanungen waren. Unbenannte Interessenten sind noch kein Ersatz für einen abgeschlossenen Mietvertrag oder eine verbindliche Investitionsentscheidung.
Der Rückzug von Outokumpu schwächt damit kurzfristig die Aussicht auf eine dauerhafte industrielle Nutzung der vorgesehenen Fläche. Langfristig könnte er den Blick dafür schärfen, dass klimabezogene Industrieansiedlungen nicht allein Produktionsanlagen benötigen, sondern regionale Energiesysteme mit gesicherten Abnehmern. Für Mukran wird entscheidend sein, solche Voraussetzungen nachweisbar zu schaffen, bevor das nächste Großprojekt in die konkrete Investitionsphase eintritt.












