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Trotz höherer Auftragseingänge sieht der Bauverband noch keinen breiten Investitionsschub und kritisiert große Vergabepakete.
Der Umsatz im öffentlichen Bau Mecklenburg-Vorpommerns lag von Januar bis August 2026 nach Angaben des Bauverbands 9,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig warnt der Verband, dass große Vergabepakete kleineren und mittleren Unternehmen den direkten Zugang zu öffentlichen Bauaufträgen erschweren könnten.
Betroffen sind neben den Bauunternehmen auch öffentliche Auftraggeber und Beschäftigte. Für die wirtschaftliche Wirkung der Investitionen ist entscheidend, welche Betriebe tatsächlich an Planung, Bau und Lieferung beteiligt werden. Ob bei konkreten Großaufträgen regionale Wertschöpfung verloren geht, lässt sich anhand der bisher vorliegenden Angaben jedoch nicht belegen.
Öffentlicher Bau bleibt hinter dem Vorjahr zurück
Über alle Bausparten hinweg meldete der Bauverband Mecklenburg-Vorpommern für die ersten acht Monate 2026 ein nominales Umsatzplus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nominal bedeutet, dass Preisveränderungen nicht herausgerechnet sind. Preisbereinigt ergab sich dagegen ein Rückgang um 3,1 Prozent.
Deutlich schwächer entwickelte sich nach Verbandsangaben der öffentliche Bau. Dessen Umsatz sank zwischen Januar und August um 9,4 Prozent. Im August allein betrug das Minus gegenüber dem Vorjahresmonat 15,5 Prozent. Damit blieb in dieser Sparte bis zum Ende des Berichtszeitraums eine breite Umsatzbelebung aus.
Der gesamte baugewerbliche Umsatz erreichte im August 204,1 Millionen Euro und lag damit 3,4 Prozent unter dem Wert vom August 2025. Zwischen den Sparten bestanden erhebliche Unterschiede: Der Wohnungsbau legte im Monatsvergleich um 6,4 Prozent zu, der Wirtschaftsbau um 5,7 Prozent.
Die Augustwerte stammen vom Interessenverband. Ein entsprechender amtlicher Monatsbericht zum Bauhauptgewerbe lag Ende Oktober 2026 noch nicht vor. Das Statistische Amt Mecklenburg-Vorpommern hatte zu diesem Zeitpunkt zuletzt Daten für Juni veröffentlicht.
Verband kritisiert den Zuschnitt großer Aufträge
Der Bauverband verbindet die Konjunkturdaten mit Kritik an der Vergabepraxis. Geschäftsführer Dr. Jörn-Christoph Jansen sieht bei umfangreichen Losen das Risiko, dass kleinere Unternehmen die personellen, finanziellen oder organisatorischen Anforderungen nicht erfüllen können. Der Verband fordert deshalb kleinere Ausschreibungseinheiten.
Kleinere Lose könnten es mehr Betrieben ermöglichen, sich direkt an einem Verfahren zu beteiligen. Das allein würde jedoch weder einen Zuschlag noch regionale Wertschöpfung garantieren. Maßgeblich blieben die konkreten Anforderungen, die eingereichten Angebote und die Auswahlentscheidung des öffentlichen Auftraggebers.
Auch eine Aufteilung führt nicht zwangsläufig zu einem größeren Anteil heimischer Unternehmen. Für eine belastbare Bewertung müsste nach Abschluss der Vergaben bekannt sein, welche Betriebe und Nachunternehmen Leistungen übernehmen, wo Beschäftigte eingesetzt werden und von welchen Standorten Material oder Dienstleistungen kommen.
Feuerwehrhäuser stehen im Mittelpunkt der Debatte
Als Beispiel für seine Kritik führt der Verband den Bau standardisierter Feuerwehrgerätehäuser an. Nach den bei der Auftragsvergabe veröffentlichten Angaben der Landesregierung erhielt die Goldbeck Nordost GmbH im März 2026 den Auftrag für 58 Gebäude. Das Volumen wurde mit insgesamt 63,8 Millionen Euro angegeben. Rechnerisch entspricht dies rund 1,1 Millionen Euro je Gebäude.
Aus der Vergabe an einen einzelnen Auftragnehmer lässt sich nicht ableiten, wo die Bauleistungen tatsächlich erbracht werden. Ein Generalauftragnehmer kann eigene Beschäftigte, regionale Niederlassungen, Lieferanten und Nachunternehmen unterschiedlicher Herkunft einsetzen. Angaben zur regionalen Verteilung der Leistungen liegen für diesen Auftrag nicht vor.
Die Warnung des Bauverbands vor abfließender Wertschöpfung beschreibt daher ein mögliches Risiko, keinen nachgewiesenen Effekt. Um die wirtschaftliche Wirkung für Mecklenburg-Vorpommern zu beurteilen, wären Daten über die beteiligten Unternehmen, Beschäftigten und Lieferketten erforderlich.
Hintergrund
Auftragseingänge und Umsätze bilden unterschiedliche Aspekte der Baukonjunktur ab. Ein erteilter Auftrag kann die künftige Auslastung eines Unternehmens stützen, erscheint aber nicht automatisch im selben Monat als Umsatz. Deshalb können beide Kennzahlen zeitweise in unterschiedliche Richtungen weisen.
Von Januar bis August 2026 lagen die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe nach Angaben des Bauverbands nominal 12,4 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Preisbereinigt betrug das Plus 7,8 Prozent. Im August gingen die Bestellungen allerdings um 13,7 Prozent zurück. Für den öffentlichen Bau meldete der Verband in diesem Monat ein Minus von 8,7 Prozent. Der einzelne Monatswert belegt noch keine Trendwende, zeigt aber eine schwächere Entwicklung zum Ende des betrachteten Zeitraums.
Die bisherige Datenlage ergibt damit ein gemischtes Bild: Höhere Auftragseingänge im Achtmonatszeitraum treffen auf rückläufige preisbereinigte Umsätze und ein deutliches Minus im öffentlichen Bau. Ob zusätzliche Investitionsmittel die Branche später stärker stützen, dürfte von der tatsächlichen Vergabe und Umsetzung der Projekte abhängen. Für Mecklenburg-Vorpommern wird zudem relevant sein, welchen Anteil Unternehmen, Beschäftigte und Zulieferer aus dem Land an den ausgeführten Leistungen erhalten.















