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Das Unternehmen von der Insel Poel will Strandräumgut für Dämmstoffe nutzbar machen. Die geplante Technik ist von der bestehenden kommunalen Anlage zu trennen.
Build Blue aus Kirchdorf auf der Insel Poel plant in Boltenhagen einen zweiten Standort für die Aufbereitung von Treibsel. Das Unternehmen will geeignete Bestandteile des Strandräumguts als Rohstoff für Dämmstoffe nutzen. Betroffen ist vor allem die Gemeinde, die bereits eine eigene Anlage zur Behandlung des angeschwemmten Materials betreibt.
Der Standort soll nach den Plänen von Build Blue auf dem Bauhofgelände in der Tarnewitzer Straße entstehen. Ein Betriebsbeginn wird zur Strandreinigungssaison 2027 angestrebt. Dabei handelt es sich bislang um ein Vorhaben des Unternehmens und nicht um eine bereits arbeitende Produktionsanlage.
Geplante Technik trifft auf bestehende Infrastruktur
Boltenhagen verfügt in Tarnewitz bereits über eine kommunale Lager- und Behandlungsanlage für Strandräumgut. Dort wird das Material zwischengelagert und bearbeitet, das bei der Reinigung der touristisch genutzten Strände anfällt. Die geplante Aufbereitungstechnik von Build Blue wäre davon zu unterscheiden: Das Unternehmen will an dem Standort einen nutzbaren Pflanzenanteil für die weitere Verarbeitung gewinnen.
Nach den Plänen soll das eingesammelte Gemisch getrocknet und gesiebt werden. Sand und Fremdstoffe sollen dabei vom organischen Material getrennt werden. Build Blue gibt an, dass die mechanische Aufbereitung ohne chemische Zusätze auskommen soll. Der ausgesiebte Sand soll vor Ort verbleiben und der Gemeinde wieder zur Verfügung stehen.
Das Unternehmen verweist auf Tests seiner Technik auf Poel in den Jahren 2023 und 2024. Für Boltenhagen kündigt es eine höhere Verarbeitungskapazität an. Konkrete Angaben zum vorgesehenen Durchsatz, zu den Betriebskosten und zu vertraglichen Vereinbarungen mit der Gemeinde liegen nicht vor.
Strandräumgut besteht nicht nur aus Seegras
Die Bezeichnung Seegras greift für das in Boltenhagen anfallende Material zu kurz. Nach Angaben der Gemeinde enthält der Strandanwurf neben Seegras auch Algen, Muscheln, Siedlungsabfälle und weiteres Schwemmgut. Die Zusammensetzung entscheidet damit darüber, welche Bestandteile sich überhaupt für eine weitere Nutzung trennen lassen.
Die Gemeinde weist zudem darauf hin, dass die Mengen zwischen einzelnen Jahren und Saisons stark schwanken und nicht verlässlich vorhersehbar sind. Eine feste jährliche Treibselmenge lässt sich aus diesen Angaben nicht ableiten. Auch der verwertbare Anteil des jeweiligen Gemischs ist nicht beziffert.
Für Build Blue liegt der wirtschaftliche Ansatz darin, aus einem Teil des ohnehin aufgenommenen Strandräumguts einen Rohstoff zu gewinnen. Ob dadurch für Boltenhagen finanzielle Vorteile entstehen, lässt sich derzeit nicht beurteilen. Dafür wären unter anderem belastbare Daten zu Aufbereitungskosten, verwertbaren Mengen und vereinbarten Leistungen erforderlich.
Baustoffzulassung ist angekündigt
Build Blue stellt auf seiner Internetseite Dämm- und Industrierohstoffe aus Seegras und Algen vor. Für 2026 hat das Unternehmen den Beginn eines Zulassungsverfahrens zum regulierten Baustoff angekündigt. Der aktuelle Stand dieses Verfahrens und die rechtlichen Folgen für einzelne Anwendungen sind nicht unabhängig belegt.
Damit bleibt zwischen der Gewinnung eines aufbereiteten Rohstoffs und seinem Einsatz als reguliertes Bauprodukt klar zu unterscheiden. Die geplante Anlage in Boltenhagen soll zunächst Material aufbereiten. Welche Produkte daraus in welchem Umfang hergestellt und eingesetzt werden können, hängt von den jeweiligen Nachweisen und dem weiteren Verfahren ab.
Auch der Zeitplan für den Standort ist noch nicht gesichert. Nach Angaben des Unternehmens hängt der angestrebte Start 2027 unter anderem von der Bereitstellung der benötigten Strominfrastruktur ab. Build Blue hat bislang lediglich eine entsprechende Anfrage beim Netzbetreiber genannt.
Hintergrund
Die Strandreinigung gehört in Boltenhagen zur touristischen Infrastruktur. Die Gemeinde begründet die regelmäßige Räumung damit, dass Strandanwurf durch Geruch, Sickerwasser und enthaltene Abfälle die Nutzung des Strandes beeinträchtigen kann. Das Material wird zunächst mit größeren Maschinen aufgenommen. Für die Feinreinigung kommt zusätzlich ein gezogenes Strandreinigungsgerät zum Einsatz.
Für die bestehende Lager- und Behandlungsanlage sowie die zugehörige Räumtechnik hat die Gemeinde nach eigenen Angaben insgesamt 1,1566 Millionen Euro investiert. Davon entfielen 1,04094 Millionen Euro auf eine Zuwendung. Zur angeschafften Ausstattung zählen eine Strandreinigungsmaschine, ein Radlader, ein Kompaktbagger, ein Schlepper und ein Anhänger.
Diese Investitionen betreffen die kommunale Strandreinigung und Behandlung des Räumguts. Sie sind nicht mit der nun von Build Blue geplanten zusätzlichen Aufbereitung gleichzusetzen. Eine bereits beschlossene gemeinsame Produktionsanlage von Gemeinde und Unternehmen lässt sich daraus nicht ableiten.
Build Blue plant regionale Aufbereitungsstandorte
Über Boltenhagen hinaus verfolgt Build Blue nach eigenen Angaben den Aufbau eines Netzes regionaler Aufbereitungsstandorte an der Ostseeküste. Der geplante zweite Standort wäre der erste größere Schritt außerhalb der bisherigen Aktivitäten auf Poel. Gespräche mit weiteren Küstengemeinden stellt das Unternehmen in Aussicht, ohne konkrete Orte oder verbindliche Projekte zu benennen.
Für Nordwestmecklenburg ist das Vorhaben vor allem deshalb wirtschaftlich relevant, weil eine vorhandene kommunale Infrastruktur mit einer zusätzlichen stofflichen Nutzung verbunden werden soll. Noch offen ist, ob die geplante Technik im größeren Betrieb die angekündigten Ergebnisse erreicht und in welchem Umfang ein marktfähiger Rohstoff entsteht. Boltenhagen könnte somit praktische Erkenntnisse für weitere Standorte liefern, wäre aber noch kein Nachweis für ein übertragbares Produktionsnetz.













