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Die Schwarz-Gruppe stellt für die erste Stufe 5,6 Milliarden Euro und rund 120 Stellen in Aussicht. Offen sind wichtige Kosten für Strom- und Wärmenetze.
Die Schwarz-Gruppe plant in Dummerstorf im Landkreis Rostock ein Rechenzentrum mit zunächst 240 Megawatt Leistung. Nach Angaben des Unternehmens sollen 5,6 Milliarden Euro investiert und rund 120 dauerhafte Arbeitsplätze geschaffen werden. Wie stark Mecklenburg-Vorpommern wirtschaftlich profitiert, hängt jedoch auch von Stromanschluss, Wärmenetz, öffentlichen Mitteln und weiteren Infrastrukturkosten ab.
Stromanschluss bestimmt den Zeitplan
Als möglicher Baubeginn wurden Ende 2027 oder Anfang 2028 genannt. Nach Darstellung der Schwarz-Gruppe hängt der Termin wesentlich davon ab, wann die notwendige Strominfrastruktur zur Verfügung steht. Das Unternehmen bewertet die Nähe zum 380-Kilovolt-Höchstspannungsnetz als Standortvorteil. Für das Rechenzentrum müssen dennoch eigene Anlagen und Leitungen zur Netzanbindung entstehen.
Für den Betriebsbeginn kursieren unterschiedliche Zeitangaben. Einerseits wurde eine Inbetriebnahme im Jahr 2032 genannt, andererseits soll die erste Ausbaustufe frühestens 2033 ans Netz gehen. Wie sich beide Angaben zueinander verhalten, ist bislang offen. Verzögerungen beim Netzanschluss könnten auch den Beginn dauerhafter Beschäftigung und möglicher kommunaler Einnahmen verschieben.
Als langfristige Option nennt die Schwarz-Gruppe einen Ausbau auf bis zu ein Gigawatt. Dabei handelt es sich nicht um einen feststehenden Endzustand. Für die regionale Bewertung ist zunächst die geplante Stufe mit 240 Megawatt maßgeblich. Bereits sie benötigt eine leistungsfähige und rechtzeitig verfügbare Energieanbindung.
Milliardeninvestition trifft auf begrenzte Dauerbeschäftigung
Die angekündigten 5,6 Milliarden Euro beziehen sich nach Unternehmensangaben auf die erste Ausbaustufe. Während der mehrjährigen Bauphase könnten Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und technische Dienstleister Aufträge erhalten. Wie viel Wertschöpfung tatsächlich im Landkreis Rostock oder im übrigen Mecklenburg-Vorpommern bleibt, hängt von der späteren Vergabe der Bau-, Installations- und Wartungsleistungen ab.
Für den laufenden Betrieb stellt der Investor rund 120 Arbeitsplätze in Aussicht. Etwa 40 Stellen sollen nach der Projektvorstellung auf Sicherheitsaufgaben entfallen. Daneben werden IT-Fachkräfte und Techniker benötigt. Gemessen am angekündigten Investitionsvolumen ist die Zahl der dauerhaften Stellen begrenzt. Zusätzliche wirtschaftliche Effekte könnten durch Aufträge für Gebäudetechnik, Energieversorgung, Sicherheit und Instandhaltung entstehen.
Auch mögliche Gewerbesteuereinnahmen lassen sich derzeit nicht verlässlich beziffern. Höhe und Zeitpunkt stehen nicht fest und sollten deshalb nicht aus dem Investitionsvolumen abgeleitet werden. Für den Haushalt der Gemeinde Dummerstorf bleibt entscheidend, welche Einnahmen nach Aufnahme des Betriebs tatsächlich anfallen und welche kommunalen Ausgaben ihnen gegenüberstehen.
Von der privaten Investitionssumme zu trennen sind mögliche öffentliche Fördermittel. Über deren verbindliche Höhe, Bedingungen und konkrete Verwendung liegen keine gesicherten Angaben vor. Für eine wirtschaftliche Gesamtbewertung wäre zudem relevant, wer die zusätzlichen Kosten für Strom- und Wärmeinfrastruktur übernimmt.
Abwärme benötigt Leitungen und Abnehmer
Rechenzentren erzeugen im Betrieb kontinuierlich Wärme. Die Schwarz-Gruppe hat eine Nutzung der Abwärme in einem Fernwärmenetz in Aussicht gestellt. Das Rostocker Netz liegt jedoch mehrere Kilometer vom geplanten Standort entfernt. Außerdem müsste das Temperaturniveau der Wärme für eine Einspeisung angehoben werden.
Die Stadtwerke Rostock und der Investor befassen sich mit einer möglichen Wärmenutzung. Eine Absicht zur Abnahme ersetzt jedoch weder den Leitungsbau noch eine Investitionsentscheidung. Nach dem bisher dargestellten Projektumfang endet die Zuständigkeit des Investors für die Wärmeinfrastruktur am Rand der Gewerbefläche. Netzanbindung, Finanzierung und Betrieb der zusätzlichen Leitungen müssten daher gesondert geregelt werden.
Auch eine Nutzung in Dummerstorf wäre nur möglich, wenn geeignete Abnehmer, Verteilnetze und ein tragfähiges Finanzierungskonzept vorhanden sind. Die diskutierte Versorgung eines möglichen Hallenbads ist eine kommunale Idee, aber kein beschlossenes Vorhaben. Im Sommer entsteht ebenfalls Wärme, obwohl der Heizbedarf geringer ist. Nach Angaben aus der Projektvorstellung soll nicht genutzte Wärme dann an die Umgebungsluft abgegeben werden.
Hintergrund
Die Schwarz-Gruppe ist vor allem als Eigentümerin von Lidl und Kaufland bekannt, entwickelt aber auch Rechenzentren und Cloud-Dienste. Das Vorhaben in Dummerstorf soll Infrastruktur für die Verarbeitung und Speicherung großer Datenmengen schaffen. Der Standort verbindet die Nähe zu Rostock mit vorhandener Höchstspannungsinfrastruktur, benötigt für den konkreten Betrieb aber zusätzliche technische Anschlüsse.
Die Gemeinde Dummerstorf hat den Bebauungsplan für das Gewerbegebiet an die Projektanforderungen angepasst. Nach den vorgestellten Planungen sollen die Gebäude 28 Meter und mit technischen Aufbauten 33 Meter hoch werden. Schornsteine der vorgesehenen Notstromversorgung könnten bis zu 60 Meter erreichen. Weil Teile des Gewerbegebiets in einem Trinkwasserschutzgebiet liegen, sieht das Projekt nach Angaben der Beteiligten bauliche Sicherungen für den vorgesehenen Biokraftstoff vor. Auch das angekündigte geschlossene Kühlsystem ist bislang eine Projektangabe des Investors.
Die wirtschaftliche Besonderheit liegt im Verhältnis zwischen hohem Kapitaleinsatz und vergleichsweise wenigen angekündigten Dauerarbeitsplätzen. Der regionale Nutzen dürfte deshalb nicht allein an der Beschäftigtenzahl hängen. Ebenso wichtig sind regionale Aufträge, mögliche kommunale Einnahmen und die Frage, wie Kosten für externe Strom- und Wärmeanlagen zwischen Unternehmen, Netzbetreibern und öffentlicher Hand verteilt werden.
Nutzen und Folgekosten müssen gemeinsam betrachtet werden
Das Rechenzentrum wäre nach der angekündigten Investitionssumme ein bedeutendes Wirtschaftsprojekt für den Landkreis Rostock. Die Höhe des Kapitaleinsatzes sagt aber noch nicht, welcher Anteil dauerhaft in der Region bleibt. Dafür müssen regionale Unternehmen Aufträge erhalten, passende Fachkräfte verfügbar sein und zusätzliche Infrastruktur wirtschaftlich betrieben werden können.
Die Ausbauoption auf ein Gigawatt sollte dabei von der ersten 240-Megawatt-Stufe getrennt bleiben. Gelingt deren Stromanbindung im vorgesehenen Zeitraum und finden sich finanzierbare Lösungen für die Abwärme, könnte das Projekt weitere wirtschaftliche Effekte auslösen. Bleiben Zuständigkeiten und Kosten der Wärmenetze ungeklärt, dürfte ein erheblicher Teil des regionalen Potenzials ungenutzt bleiben.















