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Home Maritime Wirtschaft

Zweiter Konverterauftrag verschärft Rostocks Flächen- und Fachkräftefrage

von Redaktion MV-Wirtschaft
17. September 2026
in Maritime Wirtschaft, Rostock
Zweiter Konverterauftrag verschärft Rostocks Flächen- und Fachkräftefrage

Symbolbild

Mithilfe von KI erstellt

Zwei Offshore-Großprojekte sichern der Warnemünder Werft langfristige Auslastung. Wie viel Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern bleibt, ist jedoch noch offen.

Ein zweiter Auftrag für eine Offshore-Konverterplattform erhöht die industrielle Auslastung in Rostock-Warnemünde und bringt zusammen mit dem ersten Projekt ein Volumen von rund 2,5 Milliarden Euro. Für Rostock wächst damit zugleich der Druck, ausreichend Hafenflächen, Zulieferkapazitäten und qualifizierte Beschäftigte bereitzustellen.

Ob daraus ein dauerhaftes Offshore-Industriecluster entsteht, hängt nicht allein von den beiden Aufträgen ab. Entscheidend wird sein, welcher Anteil der Arbeiten tatsächlich in Mecklenburg-Vorpommern ausgeführt wird und ob die Infrastruktur mit der Entwicklung Schritt hält.

Zwei Plattformen, aber nicht alle Arbeiten in Rostock

Der Netzbetreiber 50Hertz und Neptun Smulders Offshore Renewables, kurz NSORe, haben nach Unternehmensangaben im September 2026 die Verhandlungen über eine zweite Konverterplattform abgeschlossen. Bereits im Juni war ein erster Großauftrag vergeben worden. NSORe beziffert das gemeinsame Auftragsvolumen für beide Anlagen auf rund 2,5 Milliarden Euro.

In Warnemünde soll unter anderem das sogenannte Topside entstehen. Dabei handelt es sich um das Hauptgebäude der Plattform, in dem sich wesentliche technische Anlagen befinden. Siemens Energy liefert die Hochspannungskomponenten. Die stählerne Unterkonstruktion, das Jacket, wird dagegen von Smulders im niederländischen Vlissingen gefertigt.

Diese Arbeitsteilung zeigt eine zentrale Grenze der regionalen Wirkung: Der Standort Rostock übernimmt wichtige Produktionsschritte, aber nicht die komplette Fertigung. 50Hertz und NSORe erklären, der überwiegende Teil des Auftragsvolumens werde für Produktion und Dienstleistungen in Mecklenburg-Vorpommern ausgegeben. Eine öffentlich nachvollziehbare Aufschlüsselung nach Standorten, Zulieferern und einzelnen Leistungsbereichen enthält das vorliegende Material jedoch nicht. Wie viel Umsatz bei Unternehmen aus dem Land ankommt, lässt sich daher noch nicht beziffern.

Hafenplanung soll begrenzte Flächen ordnen

Parallel zu den Aufträgen lässt Rostock einen Hafenentwicklungsplan bis 2050 erarbeiten. Nach Angaben von Rostock Port fördert das Land sowohl diesen Plan als auch eine Potenzialanalyse zur Offshore-Windindustrie mit rund 440.000 Euro. Die Gesamtausgaben werden mit etwa 590.000 Euro angegeben; die Förderung stammt aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur.

Der bisherige Hafenentwicklungsplan wurde 2017 aufgestellt und reicht bis 2030. In der Fortschreibung sollen unter anderem vorgesehene Erweiterungsflächen untersucht und mögliche Nutzungen konkretisiert werden. Das ist für die Offshore-Industrie relevant, weil große Komponenten nicht nur Produktionshallen benötigen. Hinzu kommen Montage-, Lager- und Umschlagflächen sowie leistungsfähige Wege zwischen Werk, Kai und weiterführender Verkehrsinfrastruktur.

Die Potenzialanalyse betrachtet neben Rostock auch den Hafen Mukran auf Rügen. Für Rostock liegt der Schwerpunkt laut Rostock Port auf Betrieb, Rückbau und Recycling von Offshore-Windparks. In Mukran sollen Aufbau, Betrieb sowie Rückbau und Recycling untersucht werden. Eine solche Arbeitsteilung könnte Flächenkonflikte entschärfen. Ob sie wirtschaftlich und logistisch tragfähig ist, muss die Studie erst zeigen.

Bis zu 1.000 Stellen sind bislang eine Erwartung

Die Hansestadt verbindet mit den Großaufträgen die Hoffnung auf bis zu 1.000 neue Arbeitsplätze. Nach einem Bericht des NDR sollen davon rund 500 bei Neptun Smulders entstehen. Bis zu 500 weitere Stellen werden während der Bauphase bei Zulieferern und Dienstleistern erwartet.

Diese Angaben sind Planungen und keine bereits nachgewiesenen Beschäftigungseffekte. Zudem ist zwischen dauerhaft angelegten Arbeitsplätzen und zeitlich begrenztem Personalbedarf während der Bauphase zu unterscheiden. Die Werft sucht laut NDR Auszubildende, Facharbeiter und Quereinsteiger. Welche Qualifikationen in welchem Umfang fehlen und wie viele Stellen tatsächlich besetzt werden können, geht aus dem Material nicht hervor.

Für die regionale Wirtschaft könnte die Personalgewinnung zu einer doppelten Aufgabe werden: Die Projekte benötigen zusätzliche Beschäftigte, während zugleich bestehende Betriebe um geeignete Fachkräfte konkurrieren dürften. Ausbildung, Weiterbildung und die Gewinnung von Arbeitskräften außerhalb der Region könnten deshalb an Bedeutung gewinnen. Ob dies gelingt, hängt unter anderem von den konkreten Beschäftigungsbedingungen und dem zeitlichen Verlauf der Projekte ab.

Hintergrund

Konverterplattformen sind zentrale Bestandteile der Netzanbindung von Offshore-Windparks. Sie wandeln den auf See erzeugten Wechselstrom in Gleichstrom um. Dieser lässt sich über lange Strecken mit geringeren Verlusten transportieren. An Land wird der Strom erneut umgewandelt und in das Übertragungsnetz eingespeist.

Die zweite in Rostock beauftragte Anlage gehört nach Angaben von NSORe zum Zwei-Gigawatt-Projekt LanWin3. Die landseitige Konverterstation ist am künftigen Netzanschlusspunkt Mühlenbeck bei Schwerin vorgesehen. Die Verbindung soll über den Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungskorridor NordOstLink und einen Knotenpunkt in Heide in Schleswig-Holstein erfolgen. Damit reicht der wirtschaftliche und infrastrukturelle Bezug des Vorhabens über den Werftstandort Rostock hinaus.

Vom Großauftrag zum Industriecluster ist es ein weiter Weg

Zwei Projekte dieser Größenordnung schaffen für den Standort eine belastbarere Auftragsbasis als ein einzelner Auftrag. Sie können Zulieferern Investitionen erleichtern, Qualifizierung anstoßen und vorhandenes maritimes Wissen für die Energiewirtschaft nutzbar machen. Ein dauerhaftes Cluster setzt jedoch weitere Aufträge, verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen und konkurrenzfähige Hafenstrukturen voraus.

Der Hafenentwicklungsplan und die Offshore-Studie liefern zunächst Entscheidungsgrundlagen, aber noch keine zusätzlichen Flächen oder Verkehrskapazitäten. Ebenso wenig belegen die angekündigten Auftragssummen bereits eine entsprechend hohe regionale Wertschöpfung. Rostocks wirtschaftliche Chance liegt darin, aus der Fertigung einzelner Plattformen längerfristige Kompetenzen in Produktion, Betrieb, Wartung und Recycling zu entwickeln. Ob das gelingt, wird sich daran messen lassen, wie viele Aufträge, qualifizierte Stellen und Investitionen dauerhaft in Mecklenburg-Vorpommern verbleiben.

Tags: 50HertzFachkräfteHafenentwicklungKonverterplattformenNeptun WerftOffshore-WindenergieRostock-Warnemünde
Redaktion MV-Wirtschaft

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