Mithilfe von KI erstellt
Anfang 2027 soll in Netzeband die Erkundung beginnen. Ob das Projekt Brimir später wirtschaftlich Helium fördern kann, ist noch offen.
In Netzeband bei Wolgast ist der Bohrplatz für das Heliumprojekt Brimir fertiggestellt. Anfang 2027 soll eine Tiefbohrung klären, ob sich im Untergrund ein wirtschaftlich nutzbares Heliumvorkommen befindet. Betroffen sind neben dem Projektentwickler 45-8 Energy vor allem die Gemeinde, zuständige Behörden sowie Wasser- und Umweltakteure in der Region.
Bohrplatz schafft Voraussetzung für die Erkundung
Mit dem Abschluss der Arbeiten am Bohrplatz erreicht das Vorhaben einen weiteren technischen Meilenstein. Die eigentliche Prüfung des möglichen Vorkommens steht jedoch noch aus: Erst die geplante Tiefbohrung und die anschließende Analyse des angetroffenen Gasgemischs können belastbare Erkenntnisse über Zusammensetzung und nutzbare Mengen liefern.
Das französische Unternehmen 45-8 Energy plant den Bohrbeginn für Anfang 2027. Im Zusammenhang mit dem Projekt wurde auch März 2027 als vorgesehener Startzeitpunkt genannt. Der konkrete Ablauf kann sich allerdings durch technische, organisatorische oder genehmigungsbezogene Anforderungen verändern.
Die Bohrung trägt die Bezeichnung Wolgast 8. Das Bergamt Stralsund ließ den dafür erforderlichen Hauptbetriebsplan im November 2025 zu. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums Mecklenburg-Vorpommern umfasste das Verfahren umweltfachliche Untersuchungen sowie wasser- und naturschutzrechtliche Genehmigungen. Beteiligt waren Behörden, Gemeinde, Landkreis sowie Energie- und Wasserversorgungsunternehmen. Außerdem fand eine Öffentlichkeitsbeteiligung statt.
Erkundung ist noch keine Fördergenehmigung
Die bestehende Zulassung erlaubt zunächst nur die Untersuchung des Untergrunds. Sie berechtigt das Unternehmen nicht dazu, Helium kommerziell zu gewinnen. Diese Abgrenzung ist wirtschaftlich und regulatorisch entscheidend: Selbst ein geologischer Nachweis würde noch nicht belegen, dass sich das Gas technisch zuverlässig und zu wettbewerbsfähigen Kosten fördern und aufbereiten lässt.
Für einen späteren Förderbetrieb wären weitere bergrechtliche Verfahren notwendig. Dabei müssten unter anderem mögliche Folgen für Umwelt, Grundwasser und Trinkwasser geprüft werden. Auch technische Anlagen zur Trennung und Aufbereitung des Gasgemischs wären gesondert zu bewerten. Ein begleitendes Grundwassermonitoring ist bereits für die Erkundungsphase vorgesehen.
Eine mögliche Aufnahme der Förderung ab 2028 steht damit unter mehreren Voraussetzungen: Die Bohrung müsste ein ausreichend ergiebiges Vorkommen bestätigen, das Verfahren müsste technisch und wirtschaftlich tragfähig sein, und sämtliche weiteren Genehmigungen müssten vorliegen. Der bislang genannte Zeitplan ist daher als Ziel des Projektentwicklers zu verstehen, nicht als gesicherter Produktionsbeginn.
Hintergrund
Helium ist ein Edelgas, das sich durch sehr niedrige Temperaturen verflüssigen lässt und chemisch kaum reagiert. Es wird unter anderem für medizinische Anwendungen, in der Halbleiterindustrie und in der Forschung benötigt. Besonders bekannt ist der Einsatz zur Kühlung supraleitender Magnete, etwa in bestimmten medizinischen und wissenschaftlichen Geräten.
Deutschland und Europa beziehen einen großen Teil ihres Bedarfs aus internationalen Lieferketten. Die Europäische Union stuft Helium als kritischen Rohstoff ein. Damit verbindet sie eine hohe wirtschaftliche Bedeutung mit Risiken bei der Versorgung. Ein nutzbares Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern könnte die Importabhängigkeit zwar nicht automatisch beseitigen, aber unter günstigen Bedingungen eine zusätzliche europäische Bezugsquelle schaffen.
Anders als Rohstoffe, die sich vergleichsweise einfach lagern oder ersetzen lassen, ist Helium nur begrenzt verfügbar. Entweicht das leichte Gas in die Atmosphäre, kann es nicht mit vertretbarem Aufwand zurückgewonnen werden. Für die Wirtschaftlichkeit eines Projekts sind deshalb nicht allein die Lagerstätte, sondern auch Aufbereitung, Transport, Abnahmeverträge und der sparsame Umgang mit dem Rohstoff relevant.
Regionale Wertschöpfung hängt vom weiteren Projektverlauf ab
Für Vorpommern-Greifswald könnte das Vorhaben Investitionen und Aufträge für Bau-, Logistik- und technische Dienstleister auslösen. Dauerhafte Beschäftigung und Steuereinnahmen wären jedoch vor allem dann zu erwarten, wenn auf die Erkundung tatsächlich ein Förder- und Aufbereitungsbetrieb folgt. Wie hoch eine mögliche regionale Wertschöpfung ausfallen könnte, ist bislang nicht belastbar beziffert.
Auch die Interessen der Kommune und der Bevölkerung reichen über mögliche wirtschaftliche Effekte hinaus. Eine Tiefbohrung beansprucht Flächen, erzeugt Baustellenverkehr und erfordert einen kontrollierten Umgang mit Bohrstoffen und angetroffenen Gasen. Die zuständigen Stellen müssen daher überwachen, ob die genehmigten Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Für die Akzeptanz dürfte zudem entscheidend sein, wie transparent Messergebnisse und weitere Planungsschritte kommuniziert werden.
Die Fertigstellung des Bohrplatzes zeigt, dass das Projekt von der Planung in die operative Erkundungsphase übergeht. Über seine wirtschaftliche Bedeutung entscheidet aber erst der Untergrund: Solange keine Bohrergebnisse und belastbaren Angaben zu förderbaren Mengen vorliegen, bleibt Brimir ein Explorationsvorhaben. Gelingt der Nachweis und werden alle Schutz- und Genehmigungsanforderungen erfüllt, könnte daraus ein neuer Rohstoffstandort in Mecklenburg-Vorpommern entstehen.















