Mithilfe von KI erstellt
Das IMTT und vier Partner entwickeln einen Hochvolt-Heizer für Elektrofahrzeuge. Mecklenburg-Vorpommern fördert den Verbund mit 7,3 Millionen Euro.
Das Institut für MobilitätsTechnik/Technologie (IMTT) hat in Neubrandenburg offiziell seine Arbeit aufgenommen. Sein erstes großes Vorhaben ist die Entwicklung eines Hochvolt-Heizers für elektrisch angetriebene Fahrzeuge: Das geplante Projektvolumen beträgt rund 11,5 Millionen Euro, davon trägt das Land Mecklenburg-Vorpommern 7,3 Millionen Euro.
Für den Wirtschaftsstandort ist der Start relevant, weil das Institut Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen aus Neubrandenburg und Rostock in einem gemeinsamen Entwicklungsprojekt zusammenführt. Ob daraus eine dauerhafte Forschungsstruktur für die Mobilitäts- und Zulieferindustrie entsteht, hängt jedoch von weiteren Aufträgen, marktfähigen Ergebnissen und langfristigen Kooperationen ab.
Fünf Partner arbeiten an Hochvolt-Technik
Zum Projektverbund gehören neben dem IMTT die Webasto Roof & Components SE und die automation & Software Günther Tausch GmbH aus Neubrandenburg. Aus Rostock beteiligen sich das Fraunhofer-Institut für Großstrukturen in der Produktionstechnik IGP und die Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt SLV M-V GmbH.
Die Partner wollen einen neuartigen Heizer für Spannungen oberhalb von 1.000 Volt entwickeln. Vorgesehen ist ein Einsatz vor allem in Elektrofahrzeugen. Solche Komponenten wandeln elektrische Energie in Wärme um und müssen sich sicher in das Hochvoltsystem eines Fahrzeugs integrieren lassen. Welche technischen Leistungswerte das geplante Produkt erreichen soll und wann ein marktreifes Ergebnis vorliegen könnte, ist bislang nicht öffentlich konkretisiert.
Das Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern unterstützt den Verbund auf Grundlage der Landesrichtlinie zur Förderung wirtschaftsnaher Forschung, Entwicklung und Innovation. Die zugesagten 7,3 Millionen Euro entsprechen knapp zwei Dritteln des genannten Projektvolumens. Die übrige Finanzierung muss demnach von den beteiligten Partnern oder aus weiteren Mitteln getragen werden.
Anbindung an die Hochschule Neubrandenburg
Das 2025 gegründete IMTT ist als An-Institut mit der Hochschule Neubrandenburg verbunden. Ein An-Institut ist eine rechtlich eigenständige Einrichtung, die über eine institutionelle Kooperation an eine Hochschule angebunden ist. Damit kann das Institut wissenschaftliche Kompetenzen einbeziehen, ohne organisatorisch Teil der Hochschule zu sein.
Diese Verbindung könnte den Transfer zwischen Forschung und betrieblicher Entwicklung erleichtern. Für Unternehmen ist dabei vor allem der Zugang zu wissenschaftlicher Infrastruktur und spezialisiertem Wissen relevant. Für die Hochschule können sich anwendungsnahe Aufgaben in Forschung und Lehre ergeben. Entscheidend wird sein, ob die Zusammenarbeit über das erste Verbundprojekt hinaus verstetigt werden kann.
Hintergrund
Die Umstellung vom Verbrennungsmotor auf elektrische Antriebe verändert die Wertschöpfung in der Automobilindustrie. Mechanische Komponenten verlieren teilweise an Bedeutung, während Leistungselektronik, Software, Sensorik, thermische Systeme und neue Fertigungsverfahren wichtiger werden. Zulieferer stehen deshalb vor der Aufgabe, bestehende Produktionskenntnisse mit neuen Technologien zu verbinden.
Industrienahe Forschungsverbünde sollen die Lücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und industrieller Anwendung verkleinern. Das wirtschaftliche Risiko wird auf mehrere Partner verteilt, während unterschiedliche Kompetenzen gebündelt werden. Öffentliche Förderung kann solche Projekte ermöglichen, wenn einzelne Unternehmen die hohen Entwicklungsaufwendungen nicht allein tragen wollen oder können. Sie ersetzt jedoch nicht den späteren Nachweis, dass ein Produkt technisch zuverlässig, wirtschaftlich herstellbar und am Markt gefragt ist.
Für Mecklenburg-Vorpommern kommt ein regionaler Aspekt hinzu: Die beteiligten Einrichtungen verteilen sich auf Neubrandenburg und Rostock. Das Projekt verbindet damit zwei Wissenschafts- und Industriestandorte des Landes. Zugleich entsteht eine Abhängigkeit von funktionierender Abstimmung über Unternehmens- und Institutionsgrenzen hinweg.
Was der Institutsstart wirtschaftlich bedeutet
Das Auftaktprojekt gibt dem IMTT unmittelbar eine konkrete industrielle Aufgabe und ein erhebliches Finanzierungsvolumen. Das ist für ein neu gegründetes Institut ein wichtiger Ausgangspunkt, aber noch kein Beleg für eine dauerhaft tragfähige Struktur. Forschungsinstitute benötigen regelmäßig neue Projekte, qualifiziertes Personal und Partner, die Ergebnisse in Produkte und Produktionsprozesse überführen.
Für die beteiligten Unternehmen könnte die Kooperation Entwicklungsrisiken senken und den Zugang zu spezialisiertem Know-how verbessern. Beschäftigte und Studierende könnten von zusätzlichen anwendungsnahen Aufgaben profitieren, sofern das Institut entsprechende Stellen, Abschlussarbeiten oder weitere Kooperationsformate schafft. Belastbare Angaben zu dauerhaften Arbeitsplätzen liegen noch nicht vor.
Der Start des IMTT stärkt zunächst vor allem die Forschungs- und Entwicklungsinfrastruktur in Neubrandenburg. Der größere wirtschaftliche Effekt dürfte sich erst beurteilen lassen, wenn der Hochvolt-Heizer technische Prüfungen besteht, eine industrielle Fertigungsperspektive erhält und weitere Projekte folgen. Die öffentliche Förderung schafft dafür den finanziellen Rahmen; ob daraus langfristig zusätzliche Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern entsteht, müssen die beteiligten Partner nun in der praktischen Umsetzung zeigen.















