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Beim Branchengipfel in Warnemünde treffen Forderungen nach besseren Standortbedingungen auf Investitionsförderung und regionale Vermarktungsinitiativen.
Hohe Energie-, Rohstoff- und Personalkosten, fehlende Fachkräfte und aufwendige Verwaltungsverfahren belasten Lebensmittelhersteller in Mecklenburg-Vorpommern. Beim Norddeutschen Ernährungsgipfel am 24. September 2026 in Rostock-Warnemünde rückten deshalb Entlastungen, verlässliche Investitionsbedingungen und zusätzliche Absatzmöglichkeiten für regionale Produkte in den Mittelpunkt.
Betroffen sind nicht allein die verarbeitenden Betriebe. Die wirtschaftlichen Folgen reichen von landwirtschaftlichen Zulieferern über Logistik und Handel bis zu Beschäftigten und Kommunen, in denen Produktionsstätten wichtige Arbeitgeber sein können.
Mehrere Belastungen treffen gleichzeitig auf die Betriebe
Die Ernährungswirtschaft muss derzeit verschiedene Kostenrisiken parallel bewältigen. Energie und Rohstoffe fließen unmittelbar in die Herstellung ein, während höhere Personalkosten die gesamte Verarbeitung, Verpackung und Auslieferung betreffen. Arbeits- und Fachkräftemangel können zusätzlich dazu führen, dass Anlagen nicht vollständig ausgelastet werden oder Unternehmen mehr Geld für Personalgewinnung und Qualifizierung einsetzen müssen.
Gleichzeitig erschwert eine zurückhaltende Nachfrage die Weitergabe gestiegener Kosten. Hersteller können höhere Aufwendungen nur dann über ihre Verkaufspreise ausgleichen, wenn Handel und Verbraucher diese Preise akzeptieren. Gerade kleinere regionale Produzenten verfügen dabei häufig über weniger Verhandlungsspielraum als große Anbieter mit hohen Mengen und überregionalem Vertrieb.
Hinzu kommen regulatorische und administrative Anforderungen. Vereinfachte Verfahren könnten Unternehmen vor allem dann entlasten, wenn Berichtspflichten, Förderanträge oder Genehmigungen weniger Personal binden. Ein Abbau von Bürokratie darf allerdings nicht mit dem Verzicht auf Lebensmittelkontrolle, Arbeitsschutz oder Umweltstandards gleichgesetzt werden. Entscheidend wäre, Doppelarbeit zu vermeiden und Verfahren planbarer zu gestalten.
Land setzt auf Förderung von Investitionen
Das Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern verweist auf die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“, kurz GRW. Kleine und mittlere Unternehmen der Nahrungs- und Futtermittelherstellung sowie der Getränkeproduktion können bei förderfähigen Investitionen bis Ende 2028 den beihilferechtlich höchstmöglichen Fördersatz erhalten.
Nach Angaben des Ministeriums wurden in den vergangenen fünf Jahren 26 Vorhaben der Branche mit insgesamt rund 19 Millionen Euro aus der GRW unterstützt. Mit diesen Projekten seien Investitionen von etwa 110 Millionen Euro verbunden gewesen. Die Angaben zeigen, dass öffentliche Zuschüsse größere betriebliche Investitionen begleiten können. Ob der Umfang gemessen am gesamten Modernisierungsbedarf der Branche ausreicht, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Investitionsförderung und kurzfristige Entlastung erfüllen zudem unterschiedliche Aufgaben. Ein Zuschuss kann beispielsweise die Modernisierung einer Produktionsstätte wirtschaftlich erleichtern. Laufende Belastungen durch Strom, Vorprodukte, Löhne oder Verwaltungsaufwand senkt er dagegen nicht automatisch. Für Unternehmen ist deshalb sowohl die Höhe möglicher Förderung als auch die Verlässlichkeit der Bedingungen über mehrere Jahre relevant.
Regionale Vermarktung braucht tragfähige Absatzwege
Das Land unterstützt nach eigenen Angaben auch zwei Vorhaben der Marketinggesellschaft der Agrar- und Ernährungswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern mit insgesamt 130.000 Euro: die Warenbörse „Regional + Bio aus MV“ und den Wettbewerb „Produktleuchttürme aus MV“. Solche Formate können Kontakte zwischen Herstellern und potenziellen Abnehmern herstellen und die Sichtbarkeit von Produkten erhöhen.
Neue Kontakte allein garantieren jedoch noch keinen dauerhaften Absatz. Entscheidend ist, ob Produzenten geforderte Mengen, Lieferzeiten, Verpackungsstandards und Preise zuverlässig erfüllen können. Umgekehrt müssen Handel und andere Abnehmer bereit sein, regionale Anbieter in ihre Beschaffung aufzunehmen. Bei kleinen Produktionsmengen können Logistik- und Vertriebskosten je Einheit vergleichsweise hoch ausfallen.
Regionale Vermarktung kann wirtschaftlich besonders interessant sein, wenn Landwirtschaft, Verarbeitung und Vertrieb im Land miteinander verbunden werden. Dadurch könnte ein größerer Teil der Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern bleiben. Voraussetzung ist, dass die beteiligten Unternehmen wettbewerbsfähige Produkte anbieten und dauerhaft Zugang zu geeigneten Vertriebskanälen erhalten.
Hintergrund
Der Norddeutsche Ernährungsgipfel fand 2026 zum neunten Mal statt. Die Marketinggesellschaft der Agrar- und Ernährungswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern organisierte die Veranstaltung gemeinsam mit dem Brandenburger Verband pro agro. Beteiligt waren Akteure aus Produktion, Verarbeitung, Handel, Verbänden und Politik aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und weiteren norddeutschen Regionen.
Die GRW ist ein Instrument der regionalen Wirtschaftsförderung. Sie richtet sich auf Investitionen, die die wirtschaftliche Entwicklung strukturschwächerer Regionen unterstützen sollen. Für die Ernährungswirtschaft ist dieser Ansatz besonders relevant, weil Produktionsbetriebe auch außerhalb großer Städte angesiedelt sein und dort industrielle Arbeitsplätze sowie Nachfrage bei regionalen Zulieferern schaffen können.
Die Debatte zeigt zugleich die Grenzen einzelner Maßnahmen. Vermarktungsprojekte können den Marktzugang verbessern, ersetzen aber keine wettbewerbsfähige Kostenstruktur. Investitionszuschüsse erleichtern Modernisierungen, lösen jedoch nicht jedes Problem des laufenden Betriebs. Vereinfachte Verfahren könnten Personal entlasten, müssen aber konkret benannt und rechtssicher umgesetzt werden.
Für die Ernährungswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern dürfte deshalb das Zusammenspiel mehrerer Faktoren entscheidend sein: kalkulierbare Energie- und Personalkosten, praktikable Verwaltung, gezielte Investitionshilfen und belastbare Beziehungen zu Abnehmern. Ob daraus mehr regionale Produktion entsteht, hängt letztlich nicht von einzelnen Gipfeln oder Förderzusagen ab, sondern davon, ob Unternehmen unter diesen Bedingungen langfristig investieren und ihre Waren zu wirtschaftlich tragfähigen Preisen verkaufen können.















